18. Sonntag im Jahreskreis (03. August 2008)

 Mt 14,13-21 

Als Jesus all das hörte, fuhr er mit dem Boot in eine einsame Gegend, um allein zu sein. Aber die Leute in den Städten hörten davon und gingen ihm zu Fuß nach. Als er ausstieg und die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen und heilte die Kranken, die bei ihnen waren. Als es Abend wurde, kamen die Jünger zu ihm und sagten: Der Ort ist abgelegen und es ist schon spät geworden. Schick doch die Menschen weg, damit sie in die Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen können. Jesus antwortete: Sie brauchen nicht wegzugehen. Gebt ihr ihnen zu essen! Sie sagten zu ihm: Wir haben nur fünf Brote und zwei Fische bei uns. Darauf antwortete er: Bringt sie her! Dann ordnete er an, die Leute sollten sich ins Gras setzen. Und er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, sprach den Lobpreis, brach die Brote und gab sie den Jüngern; die Jünger aber gaben sie den Leuten, und alle aßen und wurden satt. Als die Jünger die übrig gebliebenen Brotstücke einsammelten, wurden zwölf Körbe voll. Es waren etwa fünftausend Männer, die an dem Mahl teilnahmen, dazu noch Frauen und Kinder. 
 

Er hat fünftausend Menschen gespeist. Das ist eine fantastische Sache. In dieser Geschichte klingt der Satz Gebt ihr ihnen zu essen! – nur wie ein unbedeutender Nebensatz. Aber als ich das Erlebnis eines Jesuiten las, musste ich meine Meinung ändern. Der Pater erzählt: «Auf der Straße traf ich ein kleines frierendes Mädchen, zitternd in einem dünnen Kleidchen, ohne Hoffnung, etwas zu essen zu bekommen. Ich wurde zornig und sagte zu Gott: „Wie kannst Du das zulassen? Warum tust Du nichts dagegen?" Ich bekam keine Antwort! Aber in der Nacht träumte mir, dass er zu mir sprach: „Ich habe wohl etwas dagegen getan. Ich habe Dich (!) geschaffen.“» Wie oft müssen wir hören, lesen von Katastrophen, und seien wir ehrlich, wir fragen auch immer wieder: „Wie kannst Du das zulassen?“ Gott sei Dank, die österreichischen Christen haben in ihrem Traum auch die Antwort gehört: „Ich habe wohl etwas dagegen getan. Ich habe Euch (!) geschaffen.“ Und ebenfalls den bedeutungsvollen Satz: „Gebt ihr ihnen zu essen!“ 

Aber hier ist auch ein anderer sehr wichtiger Satz. Jesus sprach den Lobpreis. Mehrmals lesen wir in den Evangelien, dass der Herr vor einem Mahl den Lobpreis sprach. Als Markus von der Speisung der Viertausend berichtet, schreibt er: „Jesus sprach das Dankgebet, brach die Brote und gab sie seinen Jüngern zum Verteilen“ (Mk 8, 6). Mattheus erzählt: während des letzten Abendmahls „nahm Jesus das Brot und sprach den Lobpreis; dann brach er das Brot, reichte es den Jüngern und sagte: Nehmt und esst; das ist mein Leib“ (Mt 26,26). Nach der Auferstehung haben ihn die Emmausjünger am Brotbrechen erkannt. „Und als er mit ihnen bei Tisch war“ – schreibt der Evangelist Lukas –, „nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach das Brot und gab es ihnen. Da gingen ihnen die Augen auf und sie erkannten ihn“ (Lk 24, 30-31). Damit will uns der Heilige Geist erinnern, dass uns Gott unser tägliches Brot gibt. 

Die Speisung der Fünftausend ist eigentlich eine wunderschöne Pyramide, auf deren Gipfel Gott ist, der uns unser tägliches Brot gibt. Irgendwo in der Mitte stehen wir, die Er auffordert „Gebt ihr ihnen zu essen!“ Auf dem Grund stehen die Mitmenschen, die unsere Hilfe benötigen.