17. Sonntag im Jahreskreis (27. Juli 2008)

 Mt 13, 44-46 
 

Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war. Ein Mann entdeckte ihn, grub ihn aber wieder ein. Und in seiner Freude verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte den Acker. Auch ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte. Als er eine besonders wertvolle Perle fand, verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte sie. 

Jemand findet einen verborgenen Schatz. Nun ist er bereit, alles dafür zu geben. Alles für eins. Was der Herr uns hier erzählt, ist kein Märchen. Das Gleichnis vom vergrabenen Schatz ist sehr lebensecht. Das Heilige Land war immer ein Land der Kriege. Oft haben die Menschen ihre Schätze, bevor sie in den Krieg zogen, in einem Acker vergraben. Natürlich haben sie mit niemandem darüber gesprochen. Wenn sie vom Krieg nicht zurückkehrten, dann konnte jemand anderer den Schatz finden. Diese Geschichte war nach dem Weltkrieg auch bei uns gut bekannt, also können wir uns die Geschehnisse gut vorstellen. Aber es ist auch verständlich, dass Hans im Glück den Acker kaufen wollte, denn auch nach heutigem Rechtsverständnis gehört ein Schatz zur Hälfte dem Finder und zur Hälfte dem Eigentümer des Grundstücks, auf dem der Schatz gefunden wurde. Wenn der Finder das Grundstück kauft, gehört ihm der ganze Schatz. 

Mit den Gleichnissen des Evangeliums stellt uns Jesus zwei Fragen: Seid ihr noch auf der Suche nach dem Schatz, nach der Perle eures Lebens? Und wie viel seid ihr bereit, dafür zu geben? 

Auf die erste Frage müssen wir antworten: Ja, wir sind noch auf dem Weg der Suche. Wir sollten uns nicht auf eigene Geschicklichkeit und Tüchtigkeit verlassen! „Bittet und ihr werdet bekommen! Sucht und ihr werdet finden! Klopft an und es wird euch geöffnet! Denn, wer bittet, der bekommt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet“ (Mt 7, 7-8). Wo soll ich suchen, klopfen und betteln? Der Schatz, von dem der Herr spricht, ist das Himmelreich, darum schlägt der Apostel der Völker den Kolossern vor: „Quae sursum sunt quaerite“ - Strebt nach dem, was oben ist (Kol 3, 1). Wie arm sähe eine Welt aus, in der keiner mehr nach dem Himmelreich suchen und auf seine Schätze achten würde? Wir würden dann nur noch an das Machbare und Menschenmögliche glauben. Keine Visionen mehr, die zum Himmel reichen, die die Menschen beflügeln und über sich hinaus wachsen lassen. Wenn die Menschen nicht mehr von Himmelsschätzen träumen, sondern nur noch von Häusern, Autos, Breitbildfernsehern, von multifunktionalen Hightech-Handys, die mir alles sagen und zeigen, was ich machen muss und, und, und... ja dann bestünde wohl kaum noch Hoffnung für unsere Welt. 

Was die zweite Frage betrifft, so muss ich, um Zugang zu diesem Schatz zu haben, einen Einsatz bringen. In der Geschichte gibt der glückliche Mann alles für den Schatz. Jesus meint damit, wir müssen Prioritäten setzen, Klarheit schaffen für unser Leben. Er sagt: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit, dann wird euch alles andere zufallen“ (Mt 6,33). Es geht um dieses Zuerst. Kommt bei mir zuerst die bloße Unterhaltung, Fernsehen, Internet? Dann sollte ich nächste Woche bei meiner Zeiteinteilung darauf achten, dass es Zeiten für mich gibt, in denen Gott zu mir sprechen kann, Zeiten, in denen ich mich ein bisschen umschauen kann. Das ist sehr wichtig, da Jesus klar sagt: „Das Reich Gottes ist mitten unter euch“ (Lk 17, 21). Wenn ich also den Schatz nicht finde, bin ich allein schuldig.