16. Sonntag im Jahreskreis (20. Juli 2008)

Mt 13, 24-30 
 

Und Jesus erzählte ihnen noch ein anderes Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der guten Samen auf seinen Acker säte. Während nun die Leute schliefen, kam sein Feind, säte Unkraut unter den Weizen und ging wieder weg. Als die Saat aufging und sich die Ähren bildeten, kam auch das Unkraut zum Vorschein. Da gingen die Knechte zu dem Gutsherrn und sagten: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher kommt dann das Unkraut? Er antwortete: Das hat ein Feind von mir getan. Da sagten die Knechte zu ihm: Sollen wir gehen und es ausreißen? Er entgegnete: Nein, sonst reißt ihr zusammen mit dem Unkraut auch den Weizen aus. Lasst beides wachsen bis zur Ernte. Wenn dann die Zeit der Ernte da ist, werde ich den Arbeitern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, um es zu verbrennen; den Weizen aber bringt in meine Scheune. 

Im Alten Testament lesen wir, dass die Erde zur Zeit Noahs in Gottes Augen verdorben war. Die rabbinische Literatur erklärt das Verdorbensein so: nicht nur die Menschen haben ihren Weg verderbt. Alles hatte zur Zeit des Flutgeschlechts sein Tun verderbt, nicht nur die Menschen, sondern auch die Tierwelt. Der Hund begattete sich mit dem Wolf und der Hahn mit dem Pfau. Auch die Erde buhlte; hatte man Weizen in sie gesät, so brachte sie Kornrade hervor (vgl. Kommentar aus Talmud, Bd. I., S. 667). Deswegen nahm Gott sich vor, alle Wesen aus Fleisch unter dem Himmel, alles, was Lebensgeist in sich hat, zu verderben (vgl. Gen 6,17). Wir bekommen im Alten Testament ein Bildnis des strengen, bestrafenden Gottes.  

Jesus stellt in dem Gleichnis vom Unkraut den barmherzigen Gott des Neuen Testaments dar. Der Gott der Christenheit ist ein barmherziger Herr, der seinen Knechten verbietet, die Kornrade auszureißen, damit sie nicht zusammen mit dem Unkraut auch den Weizen ausreißen. 

Was können wir für uns aus diesem Gleichnis mitnehmen? 

Einerseits hören wir oft die Ansicht einiger vom falschen Glaubenseifer geführten Knechte, dass man die Säuglingstaufe lassen sollte, und wenn man schon Kinder taufe, dann nur die Kinder elitärer Katholiken. Erstens halten diese Knechte sich für fähig, selbst zu beurteilen – ohne den Patron zu fragen! – wer ein guter Katholik sei. Das Gericht über die Menschen sollten wir Gott überlassen. Zweitens beginnen diese Knechte mit großem Eifer, das Unkraut auszujäten. Der große Theologe und heilige Seelsorger, Augustinus, der Bischof von Karthago, wollte die Lehre des Herrn nicht überprüfen. Er hat den Standpunkt des Herrn vertreten: „Lasset beides miteinander wachsen bis zur Ernte.“ 

Anderseits könnten wir aus diesem Gleichnis mitnehmen, dass das auch für uns gilt: wir müssen zusammen mit Ungläubigen in dieser Welt leben. Wir dürfen aber nicht gleichgültig sein! Wir sollten den Ungläubigen gegenüber unser Licht leuchten lassen. 

Auch kann man aus dem Gleichnis heraushören, dass die Gemeinde, solange sie auf Erden ist, vom bösen Feind angegriffen wird. Satan setzt alles dran, um Gottes Reich zu zerstören. Dieser hartnäckige Feind weiß, dass er wenig Zeit hat und schießt seine letzten Patronen auf die Kirche. Er ist jedoch ein besiegter Feind!  

Letzten Endes lehrt uns das Gleichnis klar, dass dieses Zeitalter, während Weizen und Unkraut zusammen wachsen, mit dem Tag des Herrn abschließt. An diesem Tag wird eine große Scheidung zwischen denen, die Gott angehören, und den Gottlosen geschehen. Beim Endgericht wird entschieden werden, wer in die Verdammnis geht und wer ins ewige Reich Gottes eingeht. Diese Lehre wird heute oft unter die Bank geschoben, aber wir dürfen diese Lehre Jesu nicht vertuschen.