15. Sonntag im Jahreskreis (13. Juli 2008)

Mt 13, 1-9 
 

An jenem Tag verließ Jesus das Haus und setzte sich an das Ufer des Sees. Da versammelte sich eine große Menschenmenge um ihn. Er stieg deshalb in ein Boot und setzte sich; die Leute aber standen am Ufer.  Und er sprach lange zu ihnen in Form von Gleichnissen. Er sagte: Ein Sämann ging aufs Feld, um zu säen. Als er säte, fiel ein Teil der Körner auf den Weg und die Vögel kamen und fraßen sie. Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war; als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte.  Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen und die Dornen wuchsen und erstickten die Saat.  Ein anderer Teil schließlich fiel auf guten Boden und brachte Frucht, teils hundertfach, teils sechzigfach, teils dreißigfach. Wer Ohren hat, der höre! 

Er sprach lange zu ihnen in Form von Gleichnissen. Gleichnis ist eine kurze und körnige Darstellung eines Gedankens. Im Alten Testament haben die Propheten das, was sie sagen wollten, mit verschiedenen Zeichen erklärt. Der Prophet Hananja nahm ein Jochholz vom Nacken des Propheten Jeremia und brach es entzwei. Vor dem ganzen Volk erklärte Hananja: So spricht der Herr: Ebenso nehme ich binnen zwei Jahren das Joch des Königs von Babel vom Nacken aller Völker und zerbreche es. Zur Zeit Jesu war das Gleichnis eines der beliebtesten Darstellungsmittel. 

Jesus begann das Gleichnis vom Sämann mit den Worten: Ein Sämann ging aufs Feld, um zu säen. Diese Worte des Evangeliums wurden vom heiligen Hieronymus so erklärt: „Der Sohn Gottes wird als Sämann bezeichnet, der das Wort des Vaters im Volk aussät.“ 

Als er säte, fiel ein Teil der Körner auf den Weg und die Vögel kamen und fraßen sie. Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war; als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte. Wenn die Sache so steht, warum gibt der Sämann – der der Sohn Gottes ist – nicht acht, dass die teuren Körner nicht auf den Weg, nicht auf felsigen Boden oder in die Dornen fallen? Freilich, wenn man diese Worte im materiellen Sinn als Samen und Boden versteht, dann hat es keinen Sinn, dass man die Körner nur so ausstreut. Wenn man die Worte aber auf die Seele und die Lehre bezieht, dann ist das ein Wort, das des Lobes würdig ist: in diesem Bereich nämlich kann Felsboden fettes Erdreich werden, es ist möglich, dass der Weg nicht mehr getreten wird und dass Dornen zerstört werden. 

Oft sind wir Christen verzweifelt, dass die Menschen im 21. Jahrhundert die gute Nachricht nicht hören wollen. Durch dieses Gleichnis lehrt uns heute Jesus, nicht träge zu werden, auch wenn unter den Hörern mehrere sein sollten, die dem Verderben zugehen; denn auch der Herr selbst, der alles vorher weiß, hört nicht auf, zu säen.