Hl. Petrus und Hl. Paulus (29. Juni 2008)

Mt 16,13-19 

Als Jesus in das Gebiet von Cäsarea Philippi kam, fragte er seine Jünger: Für wen halten die Leute den Menschensohn?  Sie sagten: Die einen für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für Jeremia oder sonst einen Propheten. Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes! Jesus sagte zu ihm: Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein. 

Für wen halten die Leute den Menschensohn? Diese Frage darf man in EU-Ländern heutzutage nicht stellen. Das heißt, stellen dürfte man die Frage schon, aber die Antwort des Petrus, – Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes! – dürfte man nicht geben, weil diese Antwort könnte die Atheismusfreiheit verletzen und es möchte auch die Muslims stören, da im Koran geschrieben steht „Allah hat Sich keinen Sohn genommen“ (Koran 23:91), „Es geziemt Allah nicht, Sich einen Sohn zu nehmen“ (Koran 19:35). 

Im christlichen Altertum sollen die Leute auf dem Marktplatz - so wird berichtet - über die Frage Wer ist Jesus? Wie kann Jesus Christus wahrer Gott und wahrer Mensch sein? - diskutiert haben. Können wir uns ein solches Thema in einer Stammtischrunde heute vorstellen? Meistens werden solche Probleme gar nicht ausdiskutiert. Viele wehren sich mit der hochprimitiven Erklärung: Man ist doch als moderner Mensch aufgeklärt und tolerant: Soll doch jeder seine Privatlösung treffen! Soll doch jeder für sich sehen, wie er es mit dem Glauben hält! Warum eigentlich darüber reden! 

Hinter diesem Text steckt meistens, dass der Typ keine blasse Idee von Religion hat. Aber das Etwas, was er doch von Religion, Kirche und Glauben kennt, hat auch etwas mit dem Markt zu tun. Er kennt nämlich die medialen Sensationsgeschichten, die häufig in den Feiertagsausgaben bekannter Wochenmagazine auf dem Markt feilgeboten werden. So kommt es, dass der Bursche dann, wenn man ihm doch die Frage stellt, für wen er Jesus hält, zwar über die Kirche schimpft, aber auf die Frage keine Antwort gibt. 

Eine andere Kategorie vertreten jene, die irgendwo einen theologischen Kurs gemacht haben. Die halten dann mit Vorliebe Vorträge über Bibelwissenschaft und Theologie. Bei ihren Vorträgen kommt mir immer unser Philosophieprofessor in Erinnerung, der uns gefragt hat: „Meine Herren! Wissen sie worin sich eine Drossel und ein Spatz voneinander unterscheiden?“ Da wir ihm die Antwort schuldig blieben, sagte er schmunzelnd: „Eigentlich in nichts. Beide sind Singvögel, nur der Spatz besuchte einen Schnellkurs.“ 

Eine dritte Gruppe beruft sich auf die Toleranz. Hinter dem Wort Toleranz steckt oft die Haltung des Desinteresses und der Gleichgültigkeit gegenüber dem Nächsten: „Ist doch egal, was der glaubt!“  

Zu der nächsten Gruppe gehören diejenigen, die mit vollem Mund streiten: Religion ist eine Privatsache! Ab mit dem Kreuz! „Warum?“ – fragt man. „Weil uns die religiöse Zeichen stören!“ Aber sie sollten nicht darüber sprechen, denn uns Christen stört nämlich ihre atheistisch-religiöse Sprache. Ihr Atheismus sollte dann natürlich auch Privatsache sein! 

Wie schön ist das heutige Evangelium. Petrus verkündet, auch im Namen der anderen Nachfolger Jesu, die Wahrheit über den Menschensohn: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes! Religion ist keine Privatsache! Wir sollten auch öffentlich und mit Freimut verkünden: Jesus ist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes! Unterdrückte Wahrheit und Verschweigen, auch verschleiernde Toleranz schaffen keine Einheit und keinen dauernden Frieden auf Erden.