14. Sonntag im Jahreskreis (06. Juli 2008)

Mt 11, 25-30 

In jener Zeit sprach Jesus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast. Ja, Vater, so hat es dir gefallen. Mir ist von meinem Vater alles übergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will. Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so Denn mein Joch drückt nicht und meine Last ist leicht. 

Jesus lädt uns ein: Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so Denn mein Joch drückt nicht und meine Last ist leicht. Es ist eine einmalig schöne Stelle aus dem Evangelium. Aber ich vermisse, dass der Herr uns erklärt, wie wir die Tugend der Demut erlangen können? 

Das Wort „Demut“ ist belastet. Es wird nicht selten mit „gebrochenem Rückgrat“ und „Katzbuckeln“ assoziiert. In die heutigen Visionen von Ich-Werdung und Selbstverwirklichung scheint es nicht hineinzupassen. 

Was ist Demut? Demut ist eine sehr wichtige Tugend. Mit Hilfe dieser Tugend können wir uns einordnen, wo unser Platz in der Welt ist. Ich versuche es mit einem ganz einfachen Beispiel zu erklären. Der Pfarrer sagte einmal am Ende des Gottesdienstes, dass der Gottesdienst am nächsten Sonntag nur für die Sünder sei. Am Sonntag darauf war die ganze Kirche brechend voll - alle wollten ......... die Sünder sehen! Demut ist eine Art, mit deren Hilfe man erkennt, zu welcher Kategorie man nun eigentlich gehört. 

Demut ist jene Tugend, die uns die Kraft gibt, uns selbst so anzunehmen, wie wir sind: Unsere Fehler und Schwächen ebenso wie unsere Stärken. Weder vor uns selbst noch vor unseren Mitmenschen und schon gar nicht vor Gott ist es notwendig, irgendwelche Masken aufzusetzen. Der demütige Mensch lebt so wie er ist. Er hat überhaupt keinen Grund, eitel oder stolz zu sein, denn weder der Blick auf seine Fehler und Schwächen, noch der Blick auf seine Vorzüge und Talente würden einen solchen Stolz rechtfertigen.  

Wie kann man die Tugend der Demut erlangen? Da ich leider diese Tugend nicht beherrsche, muss ich mich an den heiligen Franz von Sales wenden. Er war nicht nur ein Heiliger, er war auch ein Meister des inneren Seelenlebens, der den Weg zur Demut erklärt. Die erste Stufe sei: Mach dir klar, dass du im Vergleich zur Größe und Herrlichkeit Gottes ein Nichts bist. Die nächste Stufe: Sieh auf deine Fehler und Schwächen und erkenne, dass du ohne Gottes Hilfe überhaupt keine Chance hast. Aber hier sollten wir nicht stehen bleiben! Franz von Sales geht noch einen Schritt weiter. Betrachte auch deine guten Seiten, deine Fähigkeiten und Stärken, sei dir aber bewusst, dass diese nicht aus dir selbst kommen, sondern Geschenke Gottes sind. Damit entspricht Franz von Sales ganz einer modernen Definition über die Demut, die besagt: „Demut ist Wahrheit“ (vgl. Herbert Winklehner: Demut. in: Franz von Sales Lexikon). 

Nach Franz von Sales wird in der heutigen christlichen Spiritualität Demut nicht als ein Sich-klein-Machen oder als Leugnen des eigenen Wertes gesehen, sondern als realistische Selbsteinschätzung des Menschen in seiner Position in der Welt: seiner eigenen Geringfügigkeit im Vergleich mit der Größe Gottes, aber zugleich seiner Würde und seinem Wert als Geschöpf und Kind Gottes. Für uns Christen bedeutet Demut gegenüber Gott, ihn anzubeten, ihn zu achten, zu ehren und zu loben, weil man erkennt, dass alles, was man ist und hat, von Gottes Gnade ist. Kurz und bündig gesagt: im christlichen Glauben ist die Demut der Schlüssel zu allem. Nur der Demütige wird den Segen des Herrn empfangen.