Fronleichnam (22.05.2008)

Joh 6,51-58 

Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, (ich gebe es hin) für das Leben der Welt. Da stritten sich die Juden und sagten: Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben? Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, das sage ich euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag. Denn mein Fleisch ist wirklich eine Speise und mein Blut ist wirklich ein Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm. Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst, durch mich leben. Dies ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Mit ihm ist es nicht wie mit dem Brot, das die Väter gegessen haben; sie sind gestorben. Wer aber dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit. 
 

Kafarnaum spielt in den Evangelien als Wohn- und Wirkungsort Jesu eine wichtige Rolle. Der Evangelist Matthäus schreibt: Als Jesus hörte, dass man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, zog er sich nach Galiläa zurück. Er verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, das am See liegt, im Gebiet von Sebulon und Naftali. (Mt 4, 12-13). Jahrhunderte lang wurde das Gebiet durch Erdbeben und Kriege verwüstet. Lange wusste man nicht, wo eigentlich Kafarnaum lag. Am Nordufer des Sees Gennesaret wurden im 20. Jahrhundert mehrmals Ausgrabungen vorgenommen. Im Bereich, der von den Franziskanern betreut ist, hat man ein Wohnhaus entdeckt, das wahrscheinlich das Haus des Simon Petrus war. Über den Ausgrabungen wurde 1990 von den Franziskanern eine auf Stelzen stehende moderne Kirche errichtet, die die Funde schützen soll. Nicht weit von dem Haus ist man auch der berühmten Synagoge von Kafarnaum auf die Spur gekommen, wo sich auch die Szene des heutigen Evangeliums abspielte. 

Der Herr sagte: „Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch.“ In der jüdischen Theologie verstand man das Essen und Trinken nicht nur im physischen Sinn, sondern verwendete es auch als allegorische Bezeichnung des Torastudiums. Nichts ist besser für den Menschen, als die Thora zu essen und zu trinken d.h. das Wort Gottes (Kommentar zum N.T., Bd. II, 485). 

Im Anfang seines Evangeliums nennt Johannes den Herrn: das Wort. Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. (Joh 1,1) Aber natürlich bestand die Hörerschaft Jesu nicht (nur) aus Gelehrten. Die einfachen Leute haben nicht ganz verstanden, was bedeutet: „Die Worte, die ich zu euch gesprochen habe, sind Geist und sind Leben.“ Und wenn wir uns jetzt vorstellen, dass der Herr noch dazu bekräftigt hat, dass er wirklich von seinem Leib und seinem Blut sprach, als er sagte: „mein Fleisch ist wirklich eine Speise und mein Blut ist wirklich ein Trank,“ dann verstehen wir, dass sie ganz verwirrt wurden und ihn stehen ließen. 

Vielleicht war Petrus der einzige, der die Worte des Herrn irgendwie verstanden hat. Jesus fragte die Zwölf: „Wollt auch ihr weggehen?“ Simon Petrus gab die Antwort: „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens?“ Ja, dein Fleisch und dein Blut, deine Worte können uns nähren und einführen in das ewigen Leben.