8. Sonntag im Jahreskreis (25. Mai 2008)

Mt 6,24-34 
 

Niemand kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon. Deswegen sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben und darum, dass ihr etwas zu essen habt, noch um euren Leib und darum, dass ihr etwas anzuziehen habt. Ist nicht das Leben wichtiger als die Nahrung und der Leib wichtiger als die Kleidung? Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie? Wer von euch kann mit all seiner Sorge sein Leben auch nur um eine kleine Zeitspanne verlängern? Und was sorgt ihr euch um eure Kleidung? Lernt von den Lilien, die auf dem Feld wachsen: Sie arbeiten nicht und spinnen nicht. Doch ich sage euch: Selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von ihnen.Wenn aber Gott schon das Gras so prächtig kleidet, das heute auf dem Feld steht und morgen ins Feuer geworfen wird, wie viel mehr dann euch, ihr Kleingläubigen! Macht euch also keine Sorgen und fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen? Denn um all das geht es den Heiden. Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht. Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben. Sorgt euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat genug eigene Plage. 

„Niemand kann zwei Herren dienen“ – erklärt der Herr seinen Jüngern. Aber kann überhaupt ein Sklave zwei Herren haben? Ja, in Wirklichkeit konnte der Fall vorkommen, dass ein Sklave zwei Herren gehörte. Wenn z.B. ein Sklavenhalter starb und zwei Erben hinterließ, dann hatte der Sklave zwei Herren, oder ein Unternehmen hatte zwei Besitzer. Beide Besitzer waren Herren des Sklaven. Wenn aber der eine Besitzer den Sklaven, soweit er ihm gehörte, frei ließ, so wurde der Arme nur zur Hälfte ein Freier, zur Hälfte aber blieb er ein Sklave. Sein Leben war tragisch, weil er z.B. keine Ehe schließen konnte. Als Freier durfte er sich mit einer Sklavin oder einem Sklaven nicht verheiraten, und umgekehrt konnte er als Sklave nicht mit einer freien Frau die Ehe schließen. An einem Tag durfte er für sich selbst arbeiten. Aber am anderen Tag nahm ihm der Sklavenhalter seine Habe. 

Nun, so ist es ganz verständlich, was der Herr lehrt. Als Kinder Gottes können wir als Freie handeln. Aber wenn wir nach Geld jagen, sind wir Sklaven des Mammons. 

„Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken?“ – wir haben die Fragen gehört. Unser himmlischer Vater wird uns ernähren. Und ist es nicht so? Wie oft hören wir heutzutage die Hausfrauen: „Ich weiß nicht, was ich kochen soll!“ Sie wissen nicht, was sie aus den hunderten Speisen im Kochbuch auswählen sollen. Meine Mutter hat es auch oft gesagt: „Ich weiß nicht, was ich kochen soll!“ Aber nicht darum, weil sie aus der Vielfalt nicht wählen konnte, sondern weil nichts zu Hause war. Kein Brot, kein Mehl, keine Kartoffeln, kein Ei, einfach nichts. Es wäre einfacher gewesen, wenn mein Vater in die Partei eingetreten wäre, wenn wir Kinder nicht in die Kirche gegangen wären oder zum Religionsunterricht. Aber meine Eltern blieben der Kirche treu und der Herr hat immer etwas gesendet. Nicht viel, aber genügend, dass wir weiter leben konnten. Warum haben wir Sorgen? 

„Was sollen wir anziehen?“– fragt der Herr. Diese Frage kennen wir auch. Wie oft stehen die Frauen vor ihrem vollen Kleideschrank und sagen ganz verzweifelt: „Ich habe keinen Fetzen, den ich anziehen könnte.“ Ja, der Herr gibt schon genügend Kleider, aber die etwas haben, die gehen praktisch nackt in der Stadt herum. Die meisten halten sich für hässlich und versuchen von Morgen bis Abend, das Meisterwerk Gottes zu korrigieren und bemalen sich wie einst die Indianer bei Karl May, als sie sich für den Krieg rüsteten. Lernt von den Lilien. Die bemalen sich nicht, sind von Montag bis Sonntag in demselben Kleid. Doch ich sage euch: Selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von ihnen. 

Man hört im Fernsehen, im Radio, man liest in den Zeitungen von Schwierigkeiten. Man wird durch die Medien in erster Linie frustriert. Wie beruhigend klingen heute die Worte des Herrn: „Sorgt euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat genug eigene Plage.“