Dreifaltigkeitssonntag (18. Mai 2008)

Joh 3, 16-18

 

 

 

Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat. Die Bezeichnung des Sohnes Gottes als des «einzigen», eigentlich des «einzig-erzeugten», findet sich nur in den johanneischen Schriften. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er an den Namen des einzigen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat
 

Mark Gabriel ist Doktor der islamischen und der christlichen Theologie. Als junger islamischer Professor an der berühmten Al-Azhar-Universität in Kairo suchte und fragte er nach Gott. Bis er Ihn fand, musste er einen sehr schweren Weg gehen, gefoltert von der Geheimpolizei und verfolgt von radikalen Muslimen. Eines Tages platzte er seinem Vater gegenüber mit der Wahrheit heraus. Sofort zog sein Vater seine Pistolen aus dem Schulterhalfter, richtete sie auf ihn und als Professor Gabriel um die nächste Ecke bog, hörte er noch die Kugeln an sich vorbei pfeifen. Der Vater hat fünfmal auf ihn abgedrückt. Seit 12 Jahren lebt er als Christ und widmet sich der Aufgabe, allen die Möglichkeit zu geben, so wie er den Weg zum dreifaltigen Gott zu finden. (Mark. A. Gabriel: Jesus und Mohamed, Gräfling, Verlag Resch, 2006,251-252).

 

Drei große monotheistische Religionen gibt es: das Judentum, den Islam und das Christentum. Viele leben in dem Irrtum, dass die Mitglieder der drei großen Religionen dasselbe Gottesbild hätten.

 

Wenn wir das Alte Testament öffnen, lesen wir von Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat; von Gott, der dem Abraham das Land der Verheißung versprochen hat, der ihm ankündigte, dass seine Nachfolger sich vermehren werden. Gott sagte zu ihm: Das ist mein Bund mit dir: Du wirst Stammvater einer Menge von Völkern. Man wird dich nicht mehr Abram nennen. Abraham (Vater der Menge) wirst du heißen; denn zum Stammvater einer Menge von Völkern habe ich dich bestimmt. (Gn 17, 4-5) Gott segnete seinen Enkelsohn Jakob, rettet die Israeliten aus Ägypten, führt sie durch die Wüste und gibt ihnen das Land. Er sorgte für das Volk, mit dem er seinen Bund geschlossen hatte. Er versprach ihnen: Wenn ihr auf meine Stimme hört und meinen Bund haltet, werdet ihr unter allen Völkern mein besonderes Eigentum sein. Mir gehört die ganze Erde, ihr aber sollt mir als ein Reich von Priestern und als ein heiliges Volk gehören. Das sind die Worte, die du den Israeliten mitteilen sollst. (Ex 19, 5-6). Diese Erfahrung Gottes als Gott der Geschichte machte Israel ganz konkret in seiner eigenen Geschichte fest.

 

Im Koran wird Mohammed als Sklave Allahs bezeichnet (2:23). Beim Gebet nennen auch die Muslims ihn Sklave Gottes: Und ich bezeuge, dass Muhammad sein Sklave und Gesandter ist. (Die Bezeugung; Gesprochen in der sitzenden Position des Gebetes). Aber der Koran bezeichnet auch die anderen Muslime als Sklaven (50:8). Auch die Beziehung zwischen Mohammed und den „Rechtgläubigen“ ist die Beziehung des Sklavenhalters und des Sklaven. Wer … gegen Allah und Seinen Gesandten aufbegehrt, wird von Allah streng bestraft (vgl. 8:13). Allah ist Sklavenbesitzer der Rechtgläubigen.

Eines Tages bekam Mark Gabriel, der ehemalige Professor an der Al-Azhar-Universität, eine Bibel zu lesen. Er öffnete sie und staunend las er ein Gebet, das Jesus als Beispiel seine Jünger gelehrt hat: Vater unser (Mt 6, 9). Er bemerkt: „Als Muslim hätte ich nie so gebetet. Der Koran lehrt, dass Gott nie einen Sohn hatte.“ Als er nachdachte, kam er zu dem Schluss: es sei eine gute Sache „unser Vater“ zu sagen. Aber wie ist er unser Vater? Nach der Auferstehung sagt Jesus zu Maria: „Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott.“ (Joh 20,17) Ja, Er kann nur so unser Vater sein, weil wir Jesu Brüder sind. Zwischen dem Vater und seinen Söhnen ist ein Bündnis, die Liebe, das so groß ist, dass es sich personifiziert. Die personifizierte Liebe nennen wir Heiligen Geist. Der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Der Vater liebt den Sohn, der Sohn liebt den Vater. Die unendliche Liebe ist der Heilige Geist. Diese Liebesbeziehung nennen wir kurz: Dreifaltigkeit, oder einfach, wie der Apostel Johannes schreibt: Gott ist die Liebe (1 Joh 4, 8).

 

 

Für die Juden ist Gott Herr der Geschichte. Für die Muslims ist Allah Sklavenbesitzer der Rechtgläubigen. Und die Mitte unseres christlichen Glaubens, des christlichen Gottesbildes ist, dass Gott die Liebe ist.