Pfingsten (11. Mai 2008)

Joh 20, 19-23

 

Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.

In der Weltkirche feiern wir heute Pfingstsonntag. In Österreich ist heute auch Muttertag. Wie kann man die zwei Feste zusammenbringen? Als ich nachdachte, kam ich drauf, dass es dabei eigentlich gar keine Schwierigkeit gibt. In der Apostelgeschichte lesen wir, dass die Gemeinde zusammen mit Maria, der Mutter Jesu, einmütig im Gebet verharrte. Unsere Mütter waren es, die zuerst unsere Hände zum Gebet zusammenfalteten. Aus der Sicht ist es eigentlich sehr schön, dass die zwei Ereignisse, Pfingsten und Muttertag zusammentreffen. Dank den Müttern, die mit ihren Kindern zusammen beten. Heute werden wir in der Messe nicht nur mit ihnen beten, sondern auch für Sie beten.

 

 

Was aber die Liturgie des Pfingstsonntags betrifft, so waren wohl wahrscheinlich manche erstaunt, dass die Apostel eigentlich schon am Ostersonntag den Heiligen Geist empfingen. Am Ostersonntag am Abend kam Jesus und begrüßte seine staunenden Apostel, er hauchte sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Wie ist denn das? Nicht zu Pfingsten bekamen sie den Heiligen Geist? Die Sache ist die, dass wir in verschiedenen Lagen, zu verschiedenen Aufgaben den Heiligen Geist bekommen. In der Taufe empfingen wir den Heiligen Geist, dass wir ein christliches Leben führen können; in der Firmung, dass wir von unserem Glauben Zeugnis geben können. Im Bußsakrament bereinigt der Heilige Geist unsere Seele. Mit der Eucharistie speist der Heilige Geist unsere Seele und unseren Leib, mit der Krankensalbung bestärkt er uns. In dem Weihesakrament gibt er uns die Macht, die Sakramente zu spenden. Und in der Ehe bekommen die Ehepaare die Kraft zum Kampf im Leben. Aber heute muss ich diese Aufzählung noch ergänzen. Bei der Taufe bekommt nämlich nicht nur das Taufkind den Heiligen Geist! Auch die Eltern, besonders die Mütter, bekommen die Kraft des Geistes, dass sie ihre Kinder erziehen sollen.

Das alles ist klar. Aber wozu kam der Heilige Geist zu Pfingsten? Eigentlich ist das auch keine Frage. Der Herr selbst sagte den Aposteln, er werde den Geist der Wahrheit senden, damit er uns in die ganze Wahrheit führen soll (vgl. Joh 16, 13). Damit wir dann in der Wahrheit leben können, bringt er uns seine wunderbaren Gaben: die Weisheit, die Einsicht, den Rat, die Stärke, die Erkenntnis, die Frömmigkeit und die Gottesfurcht. Um diese Gaben bitten und betteln wir, wenn wir singen: „Komm, o komm, du Tröster mein, kehr in meinem Herzen ein, komm, o Geist von oben! Und dann, in den einzelnen Strophen besingen wir, wozu wir diese Gaben brauchen. Die Weisheit, dass wir Gott allein suchen, den Verstand, dass wir Gottes Wort verstehen, den Rat, dass wir immer den rechten Pfad gehen, die Standhaftigkeit, dass wir stark seien in Leid und Streit, die Wissenschaft, dass wir stark sein sollen in unserem Glauben, die Frömmigkeit, dass wir ganz gottselig sind und die Furcht Gottes, dass wir den Himmel erreichen. (Vgl. GL 828)

 

Diese Gaben brauchen wir sehr! Erbitten wir sie! Der Herr hat uns versprochen: Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet. Also bitten wir heute immer wieder: „Komm, o komm, du Tröster mein, kehr in meinem Herzen ein, komm, o Geist von oben!“ Amen.