Himmelfahrt Christi (01. Mai 2008)

Mt 28, 16-20

 

Die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, den Jesus ihnen genannt hatte. Und als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder. Einige aber hatten Zweifel.  Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde.  Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes,  und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.

 

Heute, 40 Tage nach Ostern, feiern wir das Fest „Christi Himmelfahrt“. Der irische Abt Adomnanus vom Inselkloster Iona hat im 7. Jh. ein Buch über die heiligen Orte geschrieben. Über den Ort der Himmelfahrt schrieb er das Folgende: es scheint, dass die höchste Stelle des Ölbergs der Ort wäre, von dem aus der Herr nach der Überlieferung zum Himmel gefahren ist. Dort steht eine große Rotundenkirche, die keine Überwölbung hat, damit von dieser Stätte, an der zum letzten Male göttliche Fußspuren blieben, als der Herr in Wolken zum Himmel aufgehoben wurde, der Weg für die Augen der dort Betenden stets offen und zum Ätherhimmel gerichtet bleibe (vgl. Herbert Donner, Pilgerfahrt im Heiligen Land, Die ältesten Berichte christlicher Palästinapilger, 4.-7. Jh., Stuttgart, 2002, 341). An der Stelle der Himmelfahrtskapelle mit dem angeblichen Fußabdruck Jesu steht heute eine Moschee, da auch nach der Lehre des Islam Jesu' Himmelfahrt dort stattfand (Sure 4:158).

Was bedeutet „Christi Himmelfahrt“? Um das zu verstehen, müssen wir die Himmelfahrt Christi auf ihren Platz in dem Jesus-Ereignis stellen.

Als Jesus am Kreuze starb, da hat er als Mensch wirklich den Tod erlitten. Es war kein „scheinbares Sterben“, sondern Jesus Christus hat sein irdisches Leben zurückgegeben an den himmlischen Vater. „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist!“ hat er gebetet (Lk 23,46).

Im Tod trennt sich die Seele des Menschen vom Leib. Der Leib stirbt, die Seele ist unsterblich. Jesu Leib lag im Grab, bis er am dritten Tag auferweckt wurde. Der Seele nach stieg Jesus hinab in das „Reich des Todes“ oder in die „Unterwelt“, wie wir im Glaubensbekenntnis beten. Er begegnete dort den „Vätern der Vorzeit“, das heißt all jenen bereits verstorbenen Frommen und Gerechten, die auf sein Kommen gewartet hatten und öffnete ihnen durch seine heilige Auferstehung das Tor zum Himmel.

 

 

In seiner heiligen Auferstehung wurde der Leib Christi zu unsterblichem Leben erweckt. Der Auferstandene stirbt nicht mehr. Dass er dann vierzig Tage hindurch denen erschien, die mit ihm vor seiner Kreuzigung zusammen gewesen waren, war nötig, um ihnen die Gewissheit von seiner Auferstehung zu vermitteln. Was aber wollte uns Jesus in seiner heiligen Himmelfahrt zeigen, die wir heute feiern? Mit diesem Tag hört die sichtbare Gegenwart des Herrn auf. Scheinbar geht er von uns weg und verlässt uns. In Wirklichkeit aber bleibt er unsichtbar bei seiner Kirche gegenwärtig, wie wir es heute im Evangelium hörten: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“

Mit der Himmelfahrt Christi wurde der Osterglaube der Kirche begründet, der auch uns verkündet wurde. Wir glauben fest und unerschütterlich: Jesus lebt, er stirbt nicht mehr!