6. Sonntag der Osterzeit (27. April 2008)

Joh 14, 15-21

Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten. Und ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll. Es ist der Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird. Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, sondern ich komme wieder zu euch. Nur noch kurze Zeit, und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich, weil ich lebe und weil auch ihr leben werdet. An jenem Tag werdet ihr erkennen: Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch. Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.

Zwei Kardinäle sprachen miteinander. Der eine ist Dogmatiker, der andere Jurist. Der Dogmatiker sagte schmunzelnd zum Juristen: ich beschäftige mich nicht mit Recht, weil das gilt nur hier auf Erden und hat keine Zukunft im Himmelreich! Der Jurist antwortete: Seien wir vorsichtig, Eminenz! Schon der Apostel Jakobus schrieb: „Du hast Glauben und ich kann Werke vorweisen; zeig mir deinen Glauben ohne die Werke und ich zeige dir meinen Glauben aufgrund der Werke.“ (Jak 2,18) Also die Werke des Menschen sind sehr wichtig. Die werden auf die Waage des göttlichen Rechts gelegt.

In diesem Gericht ist der Herr selbst Richter. Er sagte voraus, er komme als Richter zurück, die Gerechten und Ungerechten zu richten. Er wird richten über unsere guten und bösen Taten. Jeder muss und wird vor seinem Richterstuhl erscheinen. Dort wird man das Märchen nicht annehmen: Ja ich habe gedacht, dass dieses Jüngste Gericht eine Erfindung der Pfaffen ist.

Leider ist an diesem göttlichen Gerichtshof auch ein Staatsanwalt. Satan wird als Ankläger auftreten, der die Menschen wegen ihrer bösen Taten, ihrer Sünden anklagt. In diesen peinlichen Umständen werden uns unsere dogmatischen Bekenntnisse nicht viel helfen - wie Jakobus ebenfalls mahnt: „Du glaubst: Es gibt nur den einen Gott. Damit hast du Recht; das glauben auch die Dämonen und sie zittern.“ (Jak 2,19)

Da niemand sagen darf, dass er keine Sünden hat, wie Johannes schreibt: Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, führen wir uns selbst in die Irre und die Wahrheit ist nicht in uns (1Joh 1,8), ist es nicht klug, wenn jemand auf Selbstverteidigung baut. Jeder ist auf einen Beistand, einen Advokaten, angewiesen.

In der Bibel ist gleich von zwei Beiständen die Rede.  Meine Kinder, ich schreibe euch dies – lesen wir im ersten Brief des Johannes –, damit ihr nicht sündigt. Wenn aber einer sündigt, haben wir einen Beistand beim Vater: Jesus Christus, den Gerechten“« (1Joh 2, 1). Er macht das ununterbrochen. „Christus Jesus, der gestorben ist, mehr noch: der auferweckt worden ist, sitzt zur Rechten Gottes und tritt für uns ein“ (Röm 8,34). Er besorgt uns auch einen Beistand hier auf Erden. Bis er wiederkommt am jüngsten Tag, sendet er einen anderen Bistand, den Heiligen Geist, der immer bei uns bleiben werde. Er bereitet uns schon jetzt vor auf das allgemeine Gericht und auf das besondere Gericht, wenn er uns mitteilt, was wir machen und was wir lassen sollen.

Die Sache wird nicht so einfach sein. Darum staune ich nicht, dass die Kirche mit bebender Stimme sich zur Mutter Gottes wendet und fleht:  „Eia ergo advocata nostra – Wohlan denn unsre Anwältin (Fürsprecherin), wende deine barmherzigen Augen uns zu …“ Wir benötigen es sehr!