4. Sonntag der Osterzeit (13. April 2008)

Joh 10, 1-10

Amen, amen, das sage ich euch: Wer in den Schafstall nicht durch die Tür hineingeht, sondern anderswo einsteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber. Wer aber durch die Tür hineingeht, ist der Hirt der Schafe. Ihm öffnet der Türhüter und die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus. Wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat, geht er ihnen voraus, und die Schafe folgen ihm; denn sie kennen seine Stimme. Einem Fremden aber werden sie nicht folgen, sondern sie werden vor ihm fliehen, weil sie die Stimme des Fremden nicht kennen. Dieses Gleichnis erzählte ihnen Jesus; aber sie verstanden nicht den Sinn dessen, was er ihnen gesagt hatte. Weiter sagte Jesus zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen. Alle, die vor mir kamen, sind Diebe und Räuber; aber die Schafe haben nicht auf sie gehört. Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden. Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.

Es gibt Bilder und Symbole, die man keinem Menschen zu erklären braucht, damit er sie verstehen kann. Zu diesen Ursymbolen der Menschheit gehört das Bild der Tür. Die Tür verbietet oder erlaubt den Eintritt oder Austritt aus einer Räumlichkeit. Das hat sehr bildhaft Kard. Mindszenty ausgedrückt, als man ihm im Gefängnis ein Angebot machte, er könne, wenn er etwas unterschriebe, zurückkehren in seine Residenzstadt Esztergom. Der Kardinal wies dieses Angebot zurück mit der Erklärung, er unterschreibe etwas nur als freier Mensch! Der Mann, den man zu ihm geschickt hatte, antwortete ihm empört: „Aber bitte, wie können sie so etwas sagen. Sie sind doch ein freier Mensch!“ „Ja? – fragte der Kardinal – und warum ist hier dieses geschlossene Tor?“ „Bitte – sagte der Beauftragte – auch an ihrem Palais in Esztergom ist ein großes Tor!“ „Na ja“ – war die Antwort des Gefangenen – „aber nicht deretwegen, die drinnen sind, sondern deretwegen, die draußen sind und versuchen einzudringen.“

Jesus sagt, er ist die Tür. Er ist aber nicht die Tür eines Gefängnisses, durch die die Häftlinge nicht hinaus dürfen, er ist nicht ein Tor eines repräsentativen Gebäudes, durch das nur Auserwählte eintreten dürfen … Wessen Tür ist er dann? Er ist die Tür der katholischen Kirche, das Tor des Schafstalles der Lämmer, die er dem Petrus anvertraute (vgl. Joh 21, 15-23). Er ist die Tür der Freiheit, durch die man frei hinaus- und hineingeht. Dieses Ausgehen und Eingehen sind aber nicht ziellose Spaziergänge. Im Evangelium hörten wir: Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden.“

Oft hören wir heutzutage: „Gott ja, Kirche nicht!“ Was erwarten sie von Gott? Ihr Heil? Sie wollen dem Herrn vorschreiben, wie sie das zu erreichen wünschen? Der Heilige Cyprianus von Karthago lehrt uns: „Salus extra ecclesiam non est – dh. – Außerhalb der Kirche kein Heil“ (Cyprianus, Briefe 73, 21,2). Wie sollen wir das verstehen? Der heilige Paulus schreibt an Timotheus: Es ist nur ein Gott und nur ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, der Mensch Christus Jesus, der sich selbst als Lösegeld für alle hingegeben hat” (1 Tim 2, 4-6), “und in keinem andern ist Heil” (Apg 4, 12). So ist es nötig, dass sich alle zu ihm, der durch die Verkündigung der Kirche erkannt wird, bekehren. Christus selbst hat mit ausdrücklichen Worten die Notwendigkeit des Glaubens und der Taufe betont und damit zugleich die Notwendigkeit der Kirche, in die die Menschen durch die Taufe wie durch eine Tür eintreten, bekräftigt.

Aber wir wissen, der Plan Gottes ist, dass alle Menschen heil werden. Wie geschieht das, wenn mehr als die Hälfte der Menschheit Jesus nicht kennt? Die katholische Kirche lehrt uns: „Gott kann die Menschen, die das Evangelium ohne ihre Schuld nicht kennen, auf Wegen, die er weiß, zum Glauben führen, ohne den es unmöglich ist, ihm zu gefallen.“ (Ad Gentes 7).

Es wäre aber ganz falsch, wenn wir daraus schließen möchten, dass wir dann ja ganz ruhig die Kirche verlassen könnten, da Gott uns auch auf anderen Wegen retten kann. Ich möchte mit den Worten des Heiligen Augustinus schließen, seien wir vorsichtig! „Qui creavit te sine te, non iustificabit te sine te – dh. – Gott, der dich erschaffen hat ohne dich, rettet dich nicht ohne dich!” (Augustinus super Johan.)