Ostersonntag (23. 03. 2008.)

Mt 28, 1-10

Nach dem Sabbat kamen in der Morgendämmerung des ersten Tages der Woche Maria aus Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen. Plötzlich entstand ein gewaltiges Erdbeben; denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat an das Grab, wälzte den Stein weg und setzte sich darauf.  Seine Gestalt leuchtete wie ein Blitz und sein Gewand war weiß wie Schnee. Die Wächter begannen vor Angst zu zittern und fielen wie tot zu Boden. Der Engel aber sagte zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht euch die Stelle an, wo er lag. Dann geht schnell zu seinen Jüngern und sagt ihnen: Er ist von den Toten auferstanden. Er geht euch voraus nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen. Ich habe es euch gesagt. Sogleich verließen sie das Grab und eilten voll Furcht und großer Freude zu seinen Jüngern, um ihnen die Botschaft zu verkünden. Plötzlich kam ihnen Jesus entgegen und sagte: Seid gegrüßt! Sie gingen auf ihn zu, warfen sich vor ihm nieder und umfassten seine Füße. Da sagte Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht und sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen und dort werden sie mich sehen.

Man darf nicht die Wiederbelebung, was die Ärzte lateinisch „reanimieren“ nennen, und die Auferstehung verwechseln. Wiederbelebung bedeutet, jemanden vorübergehend in das irdische Leben zurückbringen. Das charakteristische Merkmal der Wiederbelebung ist, dass die bezeichnete Person noch zeitweilig lebt, aber dann endgültig stirbt.

Mehrmals lesen wir in der Heiligen Schrift von Wiederbelebungen. Im Alten Testament lesen wir, dass Elija den Sohn der Witwe von Sarepta wiedererweckte, die vorher dem Propheten Brot und Wasser gereicht hatte (vgl. 1 Kön 17, 20-22). Ebenfalls bewirtete eines Tages eine vornehme Frau in Schunem den Propheten Elischa. Als plötzlich ihr Sohn starb, eilte sie und holte den Mann Gottes. Elischa wiederbelebte den Sohn der Schunemiterin (vgl. 2 Kön 4,8-37). Auch in der rabbinischen Literatur lesen wir, dass einigen Rabbinern Wiederbelebungen zugeschrieben werden (vgl. Billerbeck, Kommentar I., S. 560).

Im Neuen Testament lesen wir öfters von Wiederbelebungen. Jesus ging zu der Bahre des Jungen von Naim, fasste sie an und als die Träger stehen blieben, sagte er: Ich befehle dir, junger Mann: Steh auf! Da richtete sich der Tote auf und begann zu sprechen und Jesus gab ihn seiner Mutter zurück (vgl. Lk 7,11-17). Ebenso ist jedem die Wiederbelebung der Tochter des Jairus, des Synagogenvorstehers, bekannt (vgl. Lk 8, 40-56), ganz zu schweigen von der Auferweckung des Lazarus, von der wir am 5. Fastensonntag gehört haben (vgl. Joh 11, 1-45).

Der Herr gab seine Macht weiter, als er die Zwölf aussandte. „Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe. Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus!“ (Mt 10, 7-8). ). In der Apostelgeschichte lesen wir, dass auch Paulus diese Macht ausübte. Ein junger Mann namens Eutychus saß im offenen Fenster und sank, als die Predigt des Paulus sich länger hinzog, in tiefen Schlaf. Und er fiel im Schlaf aus dem dritten Stock hinunter; als man ihn aufhob, war er tot. Paulus lief hinab, warf sich über ihn, und der Junge lebte (vgl. Apg 20, 9-10).

Im Operationssaal ist heutzutage die Wiederbelebung, Gott sei Dank, eine alltägliche Sache.

Ein ganz anderer Fall ist die Auferstehung. Das charakteristische Merkmal der Auferstehung von den Toten erklärt uns der heilige Paulus, als er an die Römer von dem auferstandenen Herrn schreibt: „Wir wissen, dass Christus, von den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt; der Tod hat keine Macht mehr über ihn.“ (Rom 6, 9). Dasselbe sagt der heilige Petrus von Jesus am ersten Pfingstfest, als er den Psalmisten zitiert: Darum freut sich mein Herz und frohlockt meine Zunge und auch mein Leib wird in sicherer Hoffnung ruhen, denn du gibst mich nicht der Unterwelt preis, noch lässt du deinen Frommen die Verwesung schauen“ (Ps 16, 10; Apg 2, 27).

Kurz gesagt: Der Herr ist auferstanden und stirbt nie mehr.

Wer sind die Zeugen seiner Auferstehung? Heute Morgen – hörten wir im Evangelium –, genau am dritten Tag, waren die Frauen beim Grab. Nach einer uralten jüdischen Auffassung kehrt die Seele drei Tage lang an das Grab zurück, weil sie meint, dass sie in den Leib zurückkehren werde. Die Frauen waren in dem Grab drinnen, sie sahen die Stelle an, wo er lag, das Grab war leer. Ja, sie durften schon mit ihrem jüdischen Glauben die Wiederbelebung des Herrn erwarten. Sie trafen einen Engel, der ihnen Kunde gab, dass hier nicht von einer Wiederbelebung die Rede ist. „Der Engel aber sagte zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht euch die Stelle an, wo er lag“ (Mt 28, 5-6). Also war der erste Zeuge der Engel.

Als sie die Nachricht des Engels verstanden hatten, „verließen sie das Grab und eilten voll Furcht und großer Freude zu seinen Jüngern, um ihnen die Botschaft zu verkünden.“ Die nächsten Zeugen waren die Frauen.

Auf dem Weg trafen die Frauen den Herrn, der die Worte des Engels bestätigt und der zu Maria von Magdala sagte: Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott.“ (Joh 20, 17). Der Herr selbst gibt Zeuge von seiner Auferstehung.

Die Frauen erzählten den Aposteln, was sie gehört und erlebt hatten. „Die Apostel hielten das alles für Geschwätz und glaubten ihnen nicht“ – schreibt der heilige Lukas. Trotzdem stand Petrus auf – er saß nämlich in Trauer barfüßig auf dem Boden (Schivach) – und lief zum Grab. Nicht nur er alleine lief, sondern auch der Jünger, den Jesus liebte, ging mit. Zwei sind gegangen, da nach der Thora die Aussage von zwei oder drei volljährigen, gläubigen, männlichen Zeugen, die sehen und hören, wesentlich war (vgl. Dtn 17, 6). Die Apostel wurden Zeugen des leeren Grabes (vgl. Lk 24, 10-12; Joh 20, 1-9). Aber sie waren nicht nur Zeugen eines leeren Grabes, sondern sie haben am selben Abend mit dem Herrn auch gesprochen und gegessen.

Es gibt auch offizielle Zeugen. Die Wächter waren von Amts wegen offizielle Zeugen. Als Soldaten gaben sie den Hohenpriestern und Räten Bericht über alles, was geschehen war. Was sie gemeldet haben, das können wir uns vorstellen, da ihnen die Hohenpriester viel Geld geben mussten, damit sie den Leuten erzählen sollten: Seine Jünger sind bei Nacht gekommen und haben ihn gestohlen, während wir schliefen.“ Schon der heilige Augustinus sah hier den Schwanz des Teufels und fragte: Wenn ihr schliefet, wie konntet ihr sehen, dass die Jünger seinen Leib gestohlen haben, und wenn ihr munter wart, warum hat ihr es nicht verhindert? Matthäus beendet seinen Bericht: „Die Soldaten nahmen das Geld und machten alles so, wie man es ihnen gesagt hatte.“ Sie waren nicht die Ersten und auch nicht die Letzten, die für so ein Märchen Geld angenommen haben. Wir kennen das Sprichwort: Seit die Phönizier das Geld erfunden haben, kann mann vieles erreichen.

Die Frohbotschaft des Engels, der Frauen, der Wächter, der Hohenpriester, der Apostel hat uns die Kirche weitergegeben. Aber warum ist es eine Frohbotschaft für uns, dass vor 2000 Jahren jemand auferstanden ist? Auf diese Frage gibt uns der Römerbrief des heiligen Paulus die Antwort, wenn er schreibt: Wir wurden mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod; und wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben.Wenn wir nämlich ihm gleich geworden sind in seinem Tod, dann werden wir mit ihm auch in seiner Auferstehung vereinigt sein.“ (Röm 6, 4-5). Die Auferstehung Christi ist die Garantie, dass wir ebenfalls auferstehen werden.