Palmsonntag (16.03.2008)

Nach der Verhaftung führte man Jesus zum Hohenpriester Kajaphas, bei dem sich die Schriftgelehrten und die Ältesten versammelt hatten.  Petrus folgte Jesus von weitem bis zum Hof des hohepriesterlichen Palastes; er ging in den Hof hinein und setzte sich zu den Dienern, um zu sehen, wie alles ausgehen würde. Die Hohenpriester und der ganze Hohe Rat bemühten sich um falsche Zeugenaussagen gegen Jesus, um ihn zum Tod verurteilen zu können. Sie erreichten aber nichts, obwohl viele falsche Zeugen auftraten. Zuletzt kamen zwei Männer und behaupteten: Er hat gesagt: Ich kann den Tempel Gottes niederreißen und in drei Tagen wieder aufbauen.  Da stand der Hohepriester auf und fragte Jesus: Willst du nichts sagen zu dem, was diese Leute gegen dich vorbringen? Jesus aber schwieg. Darauf sagte der Hohepriester zu ihm: Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, sag uns: Bist du der Messias, der Sohn Gottes? Jesus antwortete: Du hast es gesagt. Doch ich erkläre euch: Von nun an werdet ihr den Menschensohn zur Rechten der Macht sitzen und auf den Wolken des Himmels kommen sehen. Da zerriss der Hohepriester sein Gewand und rief: Er hat Gott gelästert! Wozu brauchen wir noch Zeugen? Jetzt habt ihr die Gotteslästerung selbst gehört. Was ist eure Meinung? Sie antworteten: Er ist schuldig und muss sterben. Dann spuckten sie ihm ins Gesicht und schlugen ihn. Andere ohrfeigten ihn und riefen: Messias, du bist doch ein Prophet! Sag uns: Wer hat dich geschlagen? 
 

Am Anfang des Gerichtsverfahrens führte man Jesus zum Hohenpriester Kajaphas. Der Hohepriester bemühte sich, ihn zum Reden zu bringen und weil es nicht anders ging, fuhr er den Herrn heftig an: „Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, sag uns: Bist du der Messias, der Sohn Gottes?“  

Im diesem Zeitalter hatte ein Eid noch vollen Beweis. Das jüdische Gesetz kannte eine Beschwörung in drei Fällen: a) beim Zeugniseide d.h. Aufforderung an Zeugen. b) beim Strafprozess, wegen Mangels von Zeugen und anderen Beweismitteln als Reinigungseid. c.) Beim Zivilgericht wo der Richter entweder dem Kläger oder dem Angeklagten einen Eid anbietet, z.B. konnte der Schuldner einen Eid über die Summe ablegen, die er seinem Gläubiger noch schuldete. 

Die von Jesus geforderte eidliche Erklärung würde sich formell am ehesten unter den im Strafprozess gewünschten Eid einreihen lassen, hat aber etwas Ungewöhnliches an sich, da nicht die zwei Zeugen aufgefordert wurden, einen Eid abzugeben, sondern der Angeklagte selbst. 

Jesus antwortete: „Du hast es gesagt“ d.h. „wie du sagst, so ist es.“ Da diese Antwort Jesu auf Grund einer Beschwörung abgegeben worden ist, so hat sie selbst die Bedeutung einer eidlichen Erklärung. Nach der Vollstreckung des Urteils haben der Hauptmann und die Männer, die mit ihm zusammen Jesus bewachten, die Antwort des Herrn bekräftigt: „Wahrhaftig, das war Gottes Sohn!“ (Mt 26,25). 

Die Karwoche sollte auch in uns die Glaubenserkenntnis wecken: „Wahrhaftig, das war Gottes Sohn!“