2. Fastensonntag - Die Verklärung

Sechs Tage danach nahm Jesus Petrus, Jakobus und dessen Bruder Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg. Und er wurde vor ihren Augen verwandelt; sein Gesicht leuchtete wie die Sonne und seine Kleider wurden blendend weiß wie das Licht. Da erschienen plötzlich vor ihren Augen Mose und Elija und redeten mit Jesus. Und Petrus sagte zu ihm: Herr, es ist gut, dass wir hier sind. Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija. Noch während er redete, warf eine leuchtende Wolke ihren Schatten auf sie und aus der Wolke rief eine Stimme: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören. Als die Jünger das hörten, bekamen sie große Angst und warfen sich mit dem Gesicht zu Boden. Da trat Jesus zu ihnen, fasste sie an und sagte: Steht auf, habt keine Angst! Und als sie aufblickten, sahen sie nur noch Jesus. Während sie den Berg hinabstiegen, gebot ihnen Jesus: Erzählt niemand von dem, was ihr gesehen habt, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist.

Im jüdischen Festkreis gibt es drei traditionelle Wallfahrtsfeste, an denen die Gläubigen nach Jerusalem zum Tempel auf dem Zionsberg pilgerten. Das erste Fest ist das Pessachfest, das an den Auszug aus Ägypten erinnert. Dieses Fest ist im Christentum das Osterfest. Das Wochenfest (Schawuot) wird sieben Wochen bzw. fünfzig Tage nach dem Pessachfest gefeiert. Im Christentum wurde das Wochenfest zu Pfingsten. Das dritte Fest heißt Laubhüttenfest (Sukkot). Es wird im Herbst acht Tage lang gefeiert. In Erinnerung an die Wüstenwanderung bauen Juden aus Ästen, Blättern und Stoffplanen zu diesem Fest eine Laubhütte unter freiem Himmel im Garten, auf dem Hof, auf dem Balkon oder in den Städten auch auf Parkplätzen. In dieser Hütte werden die Mahlzeiten abgehalten, es wird gefeiert und falls das Klima es zulässt, kann in dieser Laubhütte auch übernachtet werden.

Ich las einen Artikel eines Autors über die Worte des Petrus: „Herr, es ist gut, dass wir hier sind. Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija“, aus denen er gefolgert hat, dass die Verklärung Jesu vielleicht irgendwann zum Laubhüttenfest geschah. Aber das scheint nicht genügend begründet. Einerseits, weil der Herr regelmäßig an den drei traditionellen Wallfahrtsfesten nach Jerusalem pilgerte, andererseits, weil die Verklärung – obgleich wir nicht genau wissen, auf welchem Berg - nach unserem heutigen Kenntnisstand höchstwahrscheinlich in Galiläa, auf dem Berg Tabor geschah.

Das Bauen der Hütten erinnert nicht nur an die Wüstenwanderung, sondern auch an unser eigenes Leben. In einem Jesus-Wort, das nicht in den Evangelien überliefert ist, heißt es: Die Welt ist eine Brücke. Man gehe hinüber, aber man baue kein Haus darauf.

Die Hütte bedeutet auch unseren Leib, wie der Prophet Jesaja so schön schreibt: In der Mitte meiner Tage muss ich hinab zu den Pforten der Unterwelt, man raubt mir den Rest meiner Jahre. … Meine Hütte bricht man über mir ab, man schafft sie weg wie das Zelt eines Hirten (Jes 38, 10.12). Auch Paulus vergleicht den Leib mit einem Zelt, einer Wohnung, einem Haus oder einem Kleid. Aber er erwartet eine Verwandlung (ein Überkleidet-Werden) des irdischen Leibes in den Auferstehungsleib, den Gott im Himmel bereithält (vgl. 1 Kor 15,44). Dieses Überkleidet-Werden stellt uns die Verklärung des Herrn vor. Er wurde vor ihren Augen verwandelt; sein Gesicht leuchtete wie die Sonne und seine Kleider wurden blendend weiß wie das Licht.

Als die Jünger das erlebten, bekamen sie große Angst und warfen sich mit dem Gesicht zu Boden. Viele Menschen haben vor diesem Überkleidet-Werden Angst. Wie beruhigend sind heute die Worte des Evangeliums: „Da trat Jesus zu ihnen, fasste sie an und sagte: Steht auf, habt keine Angst!“ Herr! Wenn die Stunde meines Umkleidens kommt, tritt zu mir, fasse mich an und sage mir: „Stehe auf, habe keine Angst!“ Gib, dass auch ich das erlebe, was die Aposteln erlebten: Als sie aufblickten, sahen sie nur noch Jesus!