1. Fastensonntag (10.02.2008)

Dann wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt; dort sollte er vom Teufel in Versuchung geführt werden. Als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, bekam er Hunger. Da trat der Versucher an ihn heran und sagte: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird. Er aber antwortete: In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt. Darauf nahm ihn der Teufel mit sich in die Heilige Stadt, stellte ihn oben auf den Tempel und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich hinab; denn es heißt in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er, dich auf ihren Händen zu tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt. Jesus antwortete ihm: In der Schrift heißt es auch: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen. Wieder nahm ihn der Teufel mit sich und führte ihn auf einen sehr hohen Berg; er zeigte ihm alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht und sagte zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest. Da sagte Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn in der Schrift steht: Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen. Darauf ließ der Teufel von ihm ab und es kamen Engel und dienten ihm.

Nach der Taufe im Jordan führte der Geist Jesus in die Wüste, wo er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte. Das sollte man aber nicht so verstehen, dass er 40mal 24 Stunden nichts zu sich nahm. Das freiwillige Fasten hatte bei den Juden seine Regeln. Sabbat und der Tag vor und nach dem Sabbat, also Freitag, Samstag und Sonntag sollten fastenfrei bleiben. Man sollte nicht zwei Tage nacheinander fasten, dass man nicht entkräftet werde. So wurden Montag und Donnerstag zu Fastentagen bei den Juden. So ist gleich verständlich, was der hl. Lukas erzählt: Zwei Männer gingen zum Tempel hinauf, um zu beten; der eine war ein Pharisäer, der andere ein Zöllner … Der Pharisäer stellte sich hin und sprach: … Ich faste zweimal in der Woche …“ (vgl. Lk 18, 9-14).

Eigentlich übernahmen die Christen die jüdische Fastenordnung, nur eben haben sie nicht am Montag und Donnerstag, sondern am Mittwoch und Freitag gefastet. Mittwochs wurde gefastet, weil Judas Jesus an diesem Tag verraten hat, und das Freitagsfasten erinnerte an die Kreuzigung Jesu.

Das Fasten gehört bei den Muslimen zu den fünf Säulen des Islams. Es wird nicht wöchentlich gefastet. Das Fasten findet alljährlich im Monat Ramadan statt.

Das Fasten bei den Juden beginnt am Morgen und endet nach Sonnenuntergang (Kommentar aus Talmud, Bd. 4, S. 94). Die Muslime fasten ebenfalls von Beginn der Morgendämmerung – wenn man einen weißen von einem schwarzen Faden unterscheiden kann (Koran 2,187) – bis zum vollendeten Sonnenuntergang. Das heißt, dass die Juden und die Muslime praktisch nur einen halben Tag fasten, dann wir das Fasten unterbrochen. Bei uns Katholiken unterscheidet man das Abstinenzgebot und das Fastengebot. Man sollte es von Mitternacht bis Mitternacht einhalten. Abstinenz bedeutet Enthaltsamkeit gegenüber Fleischspeisen und verpflichtet alle, die das vierzehnte Lebensjahr vollendet haben. Fasten ist zu halten am Aschermittwoch und Karfreitag. Das Fastengebot verpflichtet alle Volljährigen bis zum Beginn des sechzigsten Lebensjahres (vgl. CIC cann.1251, 1252).

Obwohl in den letzten Jahren allerlei teure Kuren und Diäten sehr in Mode gekommen sind, stoßen die Katholiken mit ihren Abstinenzgeboten und Fastengeboten auf Unverständnis. Die liberalen Menschen können mit einer geistigen Dimension kaum etwas anfangen. Wozu ist es gut, in einer geistigen Dimension zu fasten? Ganz einfach gesagt: Es dient der Unterstützung des Gebetes, dem Kampf gegen die Versuchung.

Fasten ist ein Mittel der geistigen Vertiefung. Eigentlich beten wir beim Fasten mit Leib und Seele. Der ganze Mensch betet. Fastentage sind Tage, an denen man wacher als sonst auf Gott hin lebt. Mann hört, dass einige sagen: „Das ist ja nicht wahr! Die Christen, die bilden sich das ein“. Die nie beten und nie fasten, die können das ja nicht erfahren. – Ebenso ist es mit der Versuchung. Man sagt: „Die Christen faseln von Versuchungen und verstören damit psychisch die armen Menschen. Das ist ja ein Unsinn! Versuchung gibt’s keine!“ Die so reden, die haben wirklich nie eine Versuchung erlebt. Der Teufel ist ja nicht blöd. Wozu sollte er sich strapazieren? Warum sollte er diesen Mensch nachgehen, sie versuchen? Die sündigen ohne Versuchung! Aber der „arme“ Teufel muss sich schon anstrengen, wenn er mit einem Fastenden anbinden will. Das zeigt uns das heutige Evangelium. Der Satan musste sich dreimal in Schwung bringen. Er wollte erst das Hilfsmittel aus den Händen des Herrn schlagen. Faste nicht weiter! „Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird.“ Und der Herr beweist uns, dass wir mit Hilfe des Fastens auch die größte Versuchung bekämpfen können.