4. Sonntag im Jahreskreis

Als Jesus die vielen Menschen sah, stieg er auf einen Berg. Er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm. Dann begann er zu reden und lehrte sie. Er sagte: Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich. Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden. Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben. Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden. Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden. Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen. Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden. Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich. Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet. Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein. Denn so wurden schon vor euch die Propheten verfolgt.

Der Sabbat erinnert an das Ruhen Gottes am siebten Tag der Schöpfungswoche. Deswegen ist der Sabbat Ruhetag für den Juden. Einige Tätigkeiten sind verboten, außerdem gehören zum Begehen des Sabbats festliche Kleider, ein besonders festlich geschmückter Tisch, Gottesdienstbesuch und ein weiteres Charakteristikum des Sabbats ist es, die 613 Ge- und Verbote der Tora zu studieren.

Im Christentum wurde der Sabbat der Zehn Gebote als Wochenfeiertag durch den ersten Tag der Woche, den Tag der Auferstehung, den Sonntag, abgelöst. Den Sonntag müsste man ebenso feiern wie den Sabbat, nur nicht in der Synagoge sondern mit Teilnahme an der Sonntagsmesse und mit dem Studieren der neuen Tora.

Der Heilige Vater sagt, die Bergpredigt ist die neue Tora, die Jesus brachte. Heute haben wir einen Teil aus der Bergpredigt gehört, die Seligpreisungen. Also beschäftigen wir uns heute mit der neuen Tora. Nach jüdischer Tradition enthält der Pentateuch, die schriftliche Tora, 613 Gebote und Verbote. Die Seligpreisungen, die neue Tora, sind nicht eine Sammlung verschiedener Gesetze, sondern eine Kurzfassung der Verheißungen des Herrn (vgl. Benedikt XVI, Jesus von Nazaret, Freiburg, 2007, 101).

Viele gibt es, die diese Verheißungen mit den Worten des „Kommunistischen Manifests“ abwiesen: „Religion ist Opium für das Volk!“ Die Seligpreisungen des Evangeliums sind angekündigte Freuden, die aber ins Jenseits verschoben sind … Von dort ist noch niemand zurückgekehrt … Wir versprechen dem Volk, dass ihre Enkelkinder nicht im Himmel, sondern schon hier auf der Erde glücklich werden … Das ist eine begreifbare Versprechung … Diese Behauptungen habe ich schon so ungefähr 40 Jahre gehört.

Es ist ja schon die höchste Zeit, dass man die Verheißungen Christi und die Verheißungen der Menschen vergleichen soll.

Erstens: Der Herr verspricht uns die Seligkeiten und nicht den Enkelkindern. Ich habe darum gearbeitet, darum gelitten, also sollte ich die Belohnung bekommen und nicht andere.

Zweitens: Es ist auch nicht wahr, dass die Versprechungen des Herrn ausschließlich ins Jenseits verschoben sind. Er verspricht denen, die keine Gewalt anwenden, das Erben des Landes. Aber ich erinnere mich, dass diejenigen, die uns das Paradies, das Eldorado, versprochen haben, uns dieses im Gefängnis, mit Kampffahrzeugen, mit Gumiknüppeln und mit Tränengas schenken wollten.

Drittens: Langsam sind schon die Urenkeln gestorben. Die Frage ist also: wer wird selig sein auf der Erde?

Viertens: Die Jugendlichen gehen nicht in die Kirche, um sich mit dem Opium der Religion zu berauschen. Sie gehen auf den Karls-Platz, um sich mit Opium und mit verschiedenen anderen Rauschmitteln und Drogen zu betäuben.

Fünftens: Ich habe noch nie gehört, dass jemand einen Einbruch beging, damit er die Kirchensteuer bezahlen könne, aber ich habe schon gelesen, dass jemand, dem man die Religion, die Verheißungen Christi, geraubt hatte, dass der, um leichte oder harte Drogen kaufen zu können, einen Menschen niederschlug oder einen Einbruch verübte.

Nach diesem Vergleich kann ich ruhig eine neue Seligkeit verkünden: Selig, die sich nicht die menschlichen Verheißungen sondern die Verheißungen des Herrn zu Eigen machen.