3. Sonntag im Jahreskreis

Wien, am 27. Jänner 2008

Mt 4,12-23 
 

Als Jesus hörte, dass man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, zog er sich nach Galiläa zurück. Er verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, das am See liegt, im Gebiet von Sebulon und Naftali. Denn es sollte sich erfüllen, was durch den Propheten Jesaja gesagt worden ist: „Das Land Sebulon und das Land Naftali, die Straße am Meer, das Gebiet jenseits des Jordan, das heidnische Galiläa: das Volk, das im Dunkel lebte, hat ein helles Licht gesehen; denen, die im Schattenreich des Todes wohnten, ist ein Licht erschienen.“ Von da an begann Jesus zu verkünden: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe. Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er zwei Brüder, Simon, genannt Petrus, und seinen Bruder Andreas; sie warfen gerade ihr Netz in den See, denn sie waren Fischer. Da sagte er zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen. Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm. Als er weiterging, sah er zwei andere Brüder, Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes; sie waren mit ihrem Vater Zebedäus im Boot und richteten ihre Netze her. Er rief sie, und sogleich verließen sie das Boot und ihren Vater und folgten Jesus. Er zog in ganz Galiläa umher, lehrte in den Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden. 

Der katholische Katechismus lehrt uns, dass die vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes heißen (Katholischer Katechismus der Bistümer Deutschlands, Leipzig, 1960, S.93). Die Bibelwissenschaftler sagen, dass das Evangelium des Matthäus für gläubige Juden geschrieben wurde. So ist es verständlich, dass er ein großes Interesse daran hatte zu zeigen, dass in Jesus von Nazaret die alttestamentliche Prophetie in Erfüllung ging. 

Für uns ist die Berufung der Apostel erstaunlich, nicht aber für die zeitgenössischen Juden, die die Berufung Elischas gut kannten. Elischa war gerade mit zwölf Gespannen am Pflügen und er selbst pflügte mit dem zwölften. Im Vorbeigehen warf Elija seinen Mantel über ihn. Sogleich verließ Elischa die Rinder, eilte Elija nach und bat ihn: Lass mich noch meinem Vater und meiner Mutter den Abschiedskuss geben. Als er zurückkam, folgte er Elija und trat in seinen Dienst (1 Kön 19, 19-23). Einige Jahre später nahm der Herr Elija im Wirbelsturm in den Himmel auf. Vorher aber sagte Elija zu Elischa: „Sprich eine Bitte aus, die ich dir erfüllen soll, bevor ich von dir weggenommen werde“. Elischa antwortete: „Möchten mir doch zwei Anteile deines Geistes zufallen“. Elischa bekam den Geist des Elija (2Kön 2, 10-12). 

Was am Ufer des Sees von Galiläa geschah, ist ganz gleichartig. Jesus findet die künftigen Jünger bei der Arbeit. Die angesprochenen Männer ließen sofort ihre Netze liegen, verließen ihren Vater und folgten ihm sofort nach. Nach drei Jahren Wanderung, vor der Himmelfahrt, versprach Jesus ihnen, sie würden die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, wie Elischa den Geist des Elija empfangen hatte. 

Die Apostel gingen gemäß dem Auftrag des Herrn: „geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern“ (Mt 28, 19) und gaben den Geist weiter. Wir haben den Geist Jesu auch in den Sakramenten bekommen. Die Frage ist aber, haben wir ihn auch weitergegeben? Oder haben wir ihn aufbewahrt so wie der schlechte Diener und sagen dann, wenn der Herr zurückkommt: „Herr, hier hast du deine Gaben zurück. Ich habe sie aufbewahrt, weil du ein strenger Mann bist: Du hebst ab, was du nicht eingezahlt hast, und erntest, was du nicht gesät hast“ (vgl. Lk 19, 20-21)? Herr, berufe Jünger, die deinen Geist an die zukünftige Generation weitergeben.