Taufe des Herrn

Wien, am 13. Jänner 2008

Mt 3, 13-17 
 

Zu dieser Zeit kam Jesus von Galiläa an den Jordan zu Johannes, um sich von ihm taufen zu lassen. Johannes aber wollte es nicht zulassen und sagte zu ihm: Ich müsste von dir getauft werden, und du kommst zu mir? Jesus antwortete ihm: Lass es nur zu! Denn nur so können wir die Gerechtigkeit (die Gott fordert) ganz erfüllen. Da gab Johannes nach. Kaum war Jesus getauft und aus dem Wasser gestiegen, da öffnete sich der Himmel, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen. Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: „Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe.“ 

Es ist eine vernünftige Sache, am Anfang des Jahres mit dem alten Katechismus die Frage zu stellen: „Wozu sind wir auf Erden?“ Die Antwort lautet: „Wir sind auf Erden, um Gott zu erkennen, ihn zu lieben, ihm zu dienen und einst ewig bei ihm zu leben.“ (Katholischer Katechismus der Bistümer Deutschlands, Leipzig, 1960, 6). Damit es aber nicht zu kompliziert wird, beschäftigen wir uns nur mit dem ersten Teil der Antwort: „Wir sind auf Erden, um Gott zu erkennen.“  

Zwar sagt der Prophet Jesaja, Gott sei ein „verborgener Gott“ (Jes 45, 15), aber er gibt sich zu erkennen durch die sichtbare Welt, durch das Gewissen in uns und vor allem durch die Offenbarung. 

Ausgehend von der Schöpfung kann der Mensch mit der bloßen Vernunft in gewissem Maße Gott als Ursprung und Ziel aller Dinge erkennen. Aber natürlich stößt der Mensch beim Erkennen Gottes mit dem bloßen Licht der Vernunft auf viele Schwierigkeiten, da wegen der Folgen der Erbsünde die Erkenntniskraft des Menschen geschwächt wurde.  

Man kann Gott auch durch die Hilfe des Gewissens erkennen. Aber Schwierigkeiten gibt’s auch hier. Jeder Mensch hat ein Gewissen. Die Entstehung des Gewissens ist größtenteils der Erziehung zuzuschreiben. In unserer heutigen liberalen Kultur gibt es eine Tendenz, die Kinder nicht zu erziehen sondern sich selbst entwickeln zu lassen. Die Kinder wachsen heute in dem Glauben auf – und sie werden durch eine ganz falsche Pädagogik unterstützt – sie hätten auf alles Mögliche einen Anspruch, ohne dafür etwas tun zu müssen. Ihnen soll keine Macht der Welt, kein Gott etwas vorschreiben. Dieses falsche und irrende Gewissen kann Gott nicht erkennen.  

Gott eilt der Menschheit zu Hilfe, indem Gott zu uns spricht. Der verborgene Gott hat uns Wahrheiten mitgeteilt, die uns sonst für immer verborgen geblieben wären. Kurz gesagt: Gott hat sich geoffenbart. Im Alten Bunde hat er sich durch die Patriarchen und die Propheten, im Neuen Bund durch Jesus Christus geoffenbart. Das hörten wir in dem heutigen Evangelium, als sich der Sohn von Johannes taufen ließ. Der Heilige Geist kommt wie eine Taube auf ihn herab und der Vater bestätigt: „Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe.“ 

Durch die Offenbarung hat Gott uns seinen Sohn vorgestellt. Für mein Leben ist es sehr wichtig: was Gott sagt, glaube ich, auch wenn so viele wegen ihrer geschwächten Erkenntniskraft, wegen ihres irrenden Gewissens, wegen ihrer tauben Ohren anders reden. Ihn zu erkennen ist das Ziel meines Lebens. Heute danke ich meinen Lehrern, dass sie meine Vernunft für die Warheit geöffnet haben, meinen Eltern, die mein Gewissen erzogen haben, und der Kirche, dass sie uns die Offenbarung des Herrn aufbewahrte.