Erscheinung des Herrn

      Wien, am 06. Jänner 2008

      Mt 2, 1-12 

Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen. Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem. Er ließ alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes zusammenkommen und erkundigte sich bei ihnen, wo der Messias geboren werden solle. Sie antworteten ihm: In Betlehem in Judäa; denn so steht es bei dem Propheten: Du, Betlehem im Gebiet von Juda, bist keineswegs die unbedeutendste unter den führenden Städten von Juda; denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, der Hirt meines Volkes Israel. Danach rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich und ließ sich von ihnen genau sagen, wann der Stern erschienen war. Dann schickte er sie nach Betlehem und sagte: Geht und forscht sorgfältig nach, wo das Kind ist; und wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir, damit auch ich hingehe und ihm huldige. Nach diesen Worten des Königs machten sie sich auf den Weg. Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen. Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt. Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar. Weil ihnen aber im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land. 

In seinem schönen Gedicht „Die heil’gen Drei Könige” schreibt Heinrich Heine (1797-1856), dass in Betlehem angekommen „die heil’gen Drei Könige sangen.“ Eigentlich sagt die Bibel keine Silber darüber, wie viele Sterndeuter es waren, und noch weniger, dass sie Könige gewesen wären. Die Bibel schreibt nur, dass sie dreierlei Gaben brachten: Gold, um seine Königswürde, Weihrauch, um seine Gottheit, und Myrrhe, um seine zum Sterben bestimmte menschliche Natur zu ehren. Die Fachleute schreiben, dass unsere Vorfahren aus der Zahl dieser Geschenke auf die Zahl der Sterndeuter geschlossen hätten und aus den wertvollen mitgebrachten Geschenken darauf, dass sie reiche Männer, ja Könige, waren.  

      Von dem Stern, dem die Sterndeuter gefolgt sind, sprach schon der Prophet Bileam. Aus dem Alten Testament wissen wir, dass Balak, der König von Moab, Bileam rufen ließ und ihm befahl, er solle das aus Ägypten ausgezogene Volk, die Israeliten, verwünschen. Er erklärte seinen Wunsch auch: „Vielleicht kann ich es dann im Kampf besiegen und vertreiben“ (Num 22,11). Gott aber veranlasste den Propheten, er solle das Volk nicht verfluchen, sondern segnen. Sieben Mal segnete er das Volk. Als der König von Moab ihn zur Rechenschaft zog, verkündete der Prophet: „Ich sehe ihn, aber nicht jetzt, ich erblike ihn, aber nicht in der Nähe: - Ein Stern geht in Jakob auf, ein Zepter erhebt sich in Israel“ (Num 24,17). Die Weisen des Talmud sagen, dass dieser Stern das Kommen des Messias ankündigt (Strack-Billerbeck, Kommentar zum N.T., Bd. I,76). Also haben die Sterndeuter aus dem Aufgehen des Sterns die richtige Schlussfolgerung gezogen. Ein König ist geboren. 

      Die Sterndeuter erklären den Grund ihrer Anreise: „Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen.“ Herodes der Große versucht die Sterndeuter zu übernehmen: „Geht und forscht sorgfältig nach, wo das Kind ist; und wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir, damit auch ich hingehe und ihm huldige.“ Nichts Neues unter der Sonne! Heutzutage geht auch nicht jeder mit derselben Absicht in die Kirche. Die Eltern errinnern sich, dass die Hitlerjugend fleißig in den Dom von Münster gegangen ist, um die Predigten des Seligen Kardinal Clemens August von Galen anzuhören, der weltweit bekannt war durch sein mutiges Auftreten gegen den Nationalsozialismus. Natürlich wollten sich die jungen Sozialisten nicht bereichern durch diese Predigten, sondern den „Löwen von Münster“ bespitzeln. Die Nachfolger der Hitlerjugend haben ebenso in Ungarn Kard. Mindszenty, in Polen Kard. Wysinszky, in Kroazien Kard. Stepinac bespitzelt. Und heute gehet es auch so weiter. Fulton Sheen, der durch seine Rundfunk- und Fernsehpredigten weltbekannt gewordene Weihbischof von New-York, schreibt in seinem Buch „Leben Jesu“ „Eingehende Erkundigungen über religiöse Dinge bewirken nicht das gleiche Ergebnis in den Herzen. Was die Menschen über Gott erfragen, ist niemals so wichtig wie der Grund, warum sie danach fragen.“ (Leben Jesu, Freiburg, 1961, 48).