Hochfest der Gottesmutter Maria

Wien, am 01. Jänner 2008

Hochfest der Gottesmutter Maria

Lk 2, 16-21

So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag. Als sie es sahen, erzählten sie, was ihnen über dieses Kind gesagt worden war. Und alle, die es hörten, staunten über die Worte der Hirten. Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach. Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für das, was sie gehört und gesehen hatten; denn alles war so gewesen, wie es ihnen gesagt worden war.

Als acht Tage vorüber waren und das Kind beschnitten werden sollte, gab man ihm den Namen Jesus, den der Engel genannt hatte, noch ehe das Kind im Schoß seiner Mutter empfangen wurde.

Paul VI. sagt in einer seiner Ansprachen „Die Jungfrau Maria … wird als wahre Mutter Gottes und des Erlösers anerkannt und geehrt …“ (KKK 963). Der Papst zitierte auch den Heiligen Augustinus, der sagt: „Sie ist ausdrücklich Mutter der Glieder Christi … weil sie in Liebe mitgewirkt hat, dass die Gläubigen in der Kirche geboren werden, die jenes Hauptes Glieder sind‘ (Augustinus, virg. 6).

Den ersten Tag des Jahres widmet die Liturgie der Mutter Gottes. In der Urkirche hat man viel über die Frage disputiert, ist Jesus nur ein Mensch oder ist er nur Gott? Wenn er zugleich Gott und Mensch ist, wie steht der eine zu dem anderen? Den vielen Polemiken hat das Konzil von Ephesos ein Ende bereitet, als die Väter die katholische Lehre verkündet haben: Christus ist zugleich Gott und Mensch (DSH 253), und deshalb ist die Heilige Jungfrau Gottesgebärerin (DSH 252). Man hat aufgezeichnet, dass das jubelnde Volk die Bischöfe mit brennenden Fackeln in einer Prozession zu ihren Quartieren begleitet hat.

Was ist die Quelle dieser Aussage, dass Christus ein Mensch ist? Die Heilige Schrift spricht mehrmals von der wahren Menschheit Christi. Die Einwohner von Nazaret haben sich zum Beispiel gewundert: „Woher hat er diese Weisheit und die Kraft, Wunder zu tun? Ist das nicht der Sohn des Zimmermanns?“ (Mt 13, 54-55). Wieso sagen sie, der Zimmermann wäre sein Vater? Die Antwort ist einfach, da nämlich der Engel dem Zimmermann befahl: „Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen“ und „als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich“ (Mt 1, 20b. 24). Und da auch bei den Juden der Rechtsgrundsatz gilt: Mater semper certa est, pater est, quem nuptiae demonstrant d.h. die Mutter ist immer sicher, Vater ist, wen die Verheiratung als solchen bezeichnet“, ist jene Behauptung ganz verständlich.

Die zweite Frage ist aber, was die Quelle dieser Aussage ist, dass die Jungfrau zugleich Theotókos (Θεοτόκος) d. h. Gottesgebärerin sei? Diese Behauptung hat auch ihre biblische Quelle. Der Engel hat nachdrücklich betont: „Er – nämlich Jesus – wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden und das Kind … Sohn Gottes genannt werden“ (vgl. Lk 1, 31-35). Später fragte Jesus seine Jünger: „Für wen halten die Leute den Menschensohn?“ Die erste Antwort war: „Die einen für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für Jeremia oder sonst einen Propheten.“ Er aber bedrängte sie: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ Im Namen des apostolischen Kollegiums gab Simon Petrus die Antwort: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!“ (vgl. Mt 16, 13-16).

Wir sollten nicht damit zufrieden sein, dass wir die Jungfrau als Gottesgebärerin feiern. Wir haben zu Weihnachten ihren Sohn aufgenommen. „Allen, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden“ (Joh 1, 12). Also sollen wir heute auch unsere Gotteskindschaft feiern. Man muss nicht ausführlich erklären, dass ich mein irdisches Leben der Liebe meiner Eltern verdanke. Die Quelle meiner Gotteskindschaft ist auch die Liebe: die Liebe Gottes, wie der heilige Johannes so wunderschön schreibt: „Seht, wie groß die Liebe ist, die der Vater uns geschenkt hat: Wir heißen Kinder Gottes und wir sind es. Die Welt erkennt uns nicht, weil sie ihn nicht erkannt hat … Aber was wir sein werden, ist noch nicht offenbar geworden“ (vgl. 1 Joh 3, 1-2).

Es ist Schrecken erregend, dass wir nicht wissen, was wir sein werden. Aber wir haben einen sicheren Haltegriff. Am Anfang des Jahres wenden wir uns zu der Gottesgebärerin mit der Bitte:

Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.