2. Sonntag im Jahreskreis (17. Jänner 2010)

Joh 2, 1-11 

     Und am dritten Tag war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa; und die Mutter Jesu war dort. Es war aber auch Jesus mit seinen Jüngern zu der Hochzeit geladen. Und als es an Wein mangelte, sagte die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein. Jesus erwiderte ihr: Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mutter sagte zu den Dienern: „Was er euch sagen mag, tut“. Es waren aber sechs steinerne Wasserkrüge dort aufgestellt, nach der Reinigungssitte der Juden, wovon jeder zwei oder drei Maß fasste. Jesus sagte zu ihnen: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis oben an. Und er sagte zu ihnen: Schöpft nun und bringt es dem Speisemeister! Und sie brachten es. Als aber der Speisemeister das Wasser gekostet hatte, das Wein geworden war – er wusste nicht, woher der Wein kam, die Diener aber, die das Wasser geschöpft hatten, wussten es -, rief der Speisemeister den Bräutigam und sagte zu ihm: Jeder Mensch setzt zuerst den guten Wein vor, und wenn sie betrunken geworden sind, dann den geringeren; du hast den guten Wein bis jetzt aufbewahrt. Dies tat Jesus als Anfang der Zeichen zu Kana in Galiläa und offenbarte seine Herrlichkeit; und seine Jünger glaubten an ihn.  

      Im Judentum besteht eine Vorschrift, die das Hochzeitsfest nicht auf einen einzigen Tag beschränkt. Sind der Bräutigam und die Braut nicht verwitwet, erstreckt sich das Fest über sieben Tage. An jedem von ihnen soll ein neues Festmahl stattfinden (Schulchan Aruch 64: 1-2). Diese Tage der Freude waren obligatorisch. Schon der königliche Psalmist ließ anklingen: „Der Wein erfreut des Menschen Herz“ (Ps 104, 15), so durfte beim Festmahl der Wein nicht fehlen. Aber natürlich, auch der chinesische Philosoph Lu Bu We hat diese einfache Wahrheit schon so formuliert: „Bietet man den Wein vielen Gästen an, geht er bald zu Ende“.  

      Einfach Zusammenziehen ist unmöglich bei den Juden, bei den Christen und bei Muslimen. Die drei Verbote unterscheiden sich in der Folge: bei den Juden wird man ausgestoßen, bei den Christen ist es eine Sünde, nach der Scharia, also im islamischen Recht ist Zusammensein ohne Ehe strafbar. Es ist traurig, aber dennoch regt sich bei vielen sogenannten Christen das Gewissen nicht beim Zusammenleben. Ist das Liebe? Wollen sie ein Hintertürchen besitzen? Vertrauen sie einander nicht?  

      Aber gehen wir zurück nach Kana. Kana war, und ist auch heute, ein kleines Dörfchen. Der Bräutigam war wohlhabend, da er Diener hatte, aber nicht reich. Der Wein ging aus. Es wäre eine große Blamage, wenn man sagen müsste, dass man das Fest beenden muss, weil kein Wein mehr da ist. Man darf nicht vergessen, dass beim jüdischen Festmahl der Wein vorgeschrieben war. Ohne Wein durfte man kein Festmahl halten. In diesen schwierigen Minuten erschien die Mutter des Herrn. Sie als Frau lag nicht beim Tisch. Sie interveniert bei ihrem Sohn: Sie haben keinen Wein. Was dachte Sie? An ein Wunder dachte sie ganz bestimmt nicht. Was dann? Vielleicht meinte sie, dass der Herr den Dienern etwa Geld geben möge, dass die von irgendwo Wein holen sollten. Darum sagt Sie: „Was er euch sagen mag, tut“. Aber der Herr demütigte den Hausherrn nicht. Er befahl den Dienern etwas ganz Einfaches: „Füllt die Wasserkrüge mit Wasser!“ Das sah aus, als ob sie das Mahl beenden wollten. Nach einem Mahl musste man vor dem Gebet die Hände abspülen.  

     Und sie füllten sie bis oben an. Und er sprach zu ihnen: Schöpft nun und bringt es dem Speisemeister! Es geschah das erste Wunder des Herrn. Das Wasser wurde zu Wein. Wie oft stecken wir auch in Schwierigkeiten. Aber wir geben uns nicht zufrieden damit, dass wir Ihm sagen, welche Probleme wir haben, sondern wir wollen ihm auch noch vorschreiben, was Er für uns machen soll. Ganz falsch! Heute sollten wir von der Mutter Gottes lernen, wie man sich in der Not an Jesus wendet.