Taufe des Herrn (10. Jänner 2010)

Lk 3,15-16. 21-22 

     Das Volk war voll Erwartung und alle überlegten im Stillen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Messias sei. Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort: Ich taufe euch nur mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. Zusammen mit dem ganzen Volk ließ auch Jesus sich taufen. Und während er betete, öffnete sich der Himmel, und der Heilige Geist kam sichtbar in Gestalt einer Taube auf ihn herab, und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden. 
 

     Das Passional ist eine Sammlung von mittelhochdeutschen Heiligenlegenden. Nach dem „Passional" war Helena, Mutter des Kaisers Constantin, Jüdin. Als sie hörte, dass ihr Sohn zum Christentum und nicht zum Judentum übergetreten sei, forderte sie ihn auf, einen religiösen Wettstreit um den wahren Glauben zu veranstalten. Dabei sollten zwei unparteiische „Heiden" Schiedsrichter des Disputs sein. 164 jüdische gelehrte Meister disputierten mit Silvester, aber immer urteilten die Schiedsrichter, Silvester habe obsiegt. Schließlich trat einer der jüdischen Gelehrten hervor und sagte, dass er den Namen Gottes kenne, den keine Kreatur ertragen könne; er ließ einen starken Stier herbeibringen: „Und da man den Stier bracht, da ging der Meister zu ihm und raunet dem Stier die Worte heimlich zu. Da brüllet das Tier mit lauter Stimme, und glühten ihm seine Augen und fiel darnieder und starb also". Nun glaubten die jüdischen Gelehrten gesiegt zu haben. Silvester aber meinte, dass sein Gott nicht nur töten, sondern auch das Leben wieder geben könne. Also sprach der Papst: „Du toter Stier, ich gebeu dir in dem Namen Christi, dass du gesund und lebendig werdest und auf stehest". Wunderbarerweise stand der tote Stier der Legende nach sanft wie ein Lamm auf. Helena aber und dreitausend Juden und dreitausend Heiden bekehrten sich zum Christentum und ließen sich taufen. 

     Heute hörten wir im Evangelium über die Taufe Jesu. Schon Johannes der Täufer stellt fest, dass die Taufe, die er spendete, nicht dieselbe Taufe sei, die der Messias spende. Die Taufe des Messias ist eine Taufe mit Wasser und mit dem Heiligen Geist. Diese Taufe mit Wasser und mit dem Heiligen Geist nennen wir das Sakrament der Taufe. Der Herr selbst hat dieses Sakrament eingesetzt. Er befahl den Jüngern: „Geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“. 

     Das Sakrament der Taufe wurde das erste Mal am Pfingsttag gespendet. Nach der Pfingstpredigt des Petrus fragten die Menschen den Apostel: Was sollen wir tun, Brüder? Petrus antwortete ihnen: Kehrt um und jeder von euch lasse sich auf den Namen Jesu Christi taufen zur Vergebung seiner Sünden; dann werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen. An diesem Tag ließen sich etwa dreitausend Menschen taufen. 

      Das Sakrament der Taufe bewirkt die Vergebung der Erbsünde, aller persönlichen Sünden und der Sündenstrafen. Der Getaufte gehört für immer Christus an: Er ist mit dem unauslöschlichen Siegel Christi bezeichnet und wird Kind Gottes sein. Sind die anderen Menschen aber nicht ebenfalls Kinder Gottes? Nein. Sie sind Geschöpfe Gottes, aber nicht Kinder Gottes. Jeder Österreicher arbeitet für die Jungen, aber besonders hat jeder Sorge für seine Kinder. Das versprach der Herr auch uns: ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt.