Weihnachten (25. Dezember 2009)

Lk 2, 1-14 
 

In jenen Tagen erließ Kaiser Augustus den Befehl, alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen. Dies geschah zum erstenmal; damals war Quirinius Statthalter von Syrien. Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen. So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids. Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete. Als sie dort waren, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft, und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war. In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde. Da trat der Engel des Herrn zu ihnen, und der Glanz des Herrn umstrahlte sie. Sie fürchteten sich sehr, der Engel aber sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr. Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt. Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach: Verherrlicht ist Gott in der Höhe, und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade. 

     Diese Geschichte haben sie schon oft gehört und werden denken, das kennen und wissen wir doch schon alles, es wird jedes Jahr dasselbe gepredigt. Das ist ja ganz natürlich. Die Botschaft des Heiligen Abend ist seit über 2000 Jahren die gleiche und sie gilt heute im Jahr 2009 auch noch: „Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude.“ 

     Diese Botschaft der Freude gilt allen Menschen, egal ob sie diese annehmen oder leugnen, ob sie zu der Mette oder zum Hochamt kommen oder Weichnachten nur bei Tisch sitzend feiern. Der Engel sagt ja klar, dass die Botschaft nicht nur den Hirten, sondern dem ganzen Volk gilt. Ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll. 

     Die freudige Botschaft ist: Heute ist euch … der Retter geboren;… Diese Botschaft der Freude hat der Neugeborene uns allen persönlich als Geschenk mitgebracht und dieses Geschenk besagt: Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab. Mit jedem ehrlich gemeinten Geschenk, deshalb freuen wir uns ja auch darüber, sagt der Schenkende: Ich hab dich lieb! Den er liebt, den will er retten. Deshalb hat er uns den Retter gesandt.

     Der Retter ist der Messias, der Herr – sagt weiter der Engel. Ganz einfach gesagt: die Verheißung des Messias ist in Erfüllung gegangen. Der Engel musste nicht extra erklären, was „Messias“ bedeutet. Das wusste jedes Kind in Israel. Gott hat im Zusammenhang mit den verschiedenen Bündnissen, die er im Lauf der Heilsgeschichte mit den Menschen geschlossen hat – z.B. den Bund mit Noah, den Bund mit Mose auf dem Sinai, den Bund mit David –, bestimmte Versprechen abgegeben. Heute – sagt der Engel – hat Gott diese Versprechen erfüllt und eingelöst. 

     Diese Frohbotschaft, Gott hat die Menschen lieb!, die Fülle der Zeit ist gekommen, könnte man den menschlichen Massenmedien nicht anvertrauen. Die machen es nämlich so, dass sie, wenn sie etwas nicht verstehen, es denen erklären, die es ebenfalls nicht verstehen. Deshalb hat Gott diese einmalige Nachricht der himmlischen Nachrichtenagentur, den Engeln, anvertraut. Die haben es ja auch nicht ganz verstanden, aber wahrheitsgemäß den Menschen mitgeteilt: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt. 

     Eine alte römische Rechtsregel lautet so: Testis unus, testis nullus – ein Zeuge ist kein Zeuge. Diese Regel haben auch die Juden gekannt. Mose sagte auch, dass mindestens zwei Zeugen übereinstimmende Aussagen machen müssen. Klar, dass man im himmlischen Reich diese Weisheit ebenfalls kannte. Das bestätigte später der Herr selbst, als er sagte, dass nicht nur der Vater, nicht nur Johannes der Täufer, sondern auch seine Taten beweisen, dass er der Messias ist. Der Engel blieb auch nicht allein mit seiner Nachricht. Plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach: Verherrlicht ist Gott in der Höhe, und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade.