3. Adventssonntag (13. Dezember 2009)

Lk 3,10-18 

Da fragten ihn die Leute: Was sollen wir also tun? Er antwortete ihnen: Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat, und wer zu essen hat, der handle ebenso. Es kamen auch Zöllner zu ihm, um sich taufen zu lassen, und fragten: Meister, was sollen wir tun? Er sagte zu ihnen: Verlangt nicht mehr, als festgesetzt ist. Auch Soldaten fragten ihn: Was sollen denn wir tun? Und er sagte zu ihnen: Misshandelt niemand, erpresst niemand, begnügt euch mit eurem Sold! Das Volk war voll Erwartung und alle überlegten im Stillen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Messias sei. Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort: Ich taufe euch nur mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. Schon hält er die Schaufel in der Hand, um die Spreu vom Weizen zu trennen und den Weizen in seine Scheune zu bringen; die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen. Mit diesen und vielen anderen Worten ermahnte er das Volk in seiner Predigt. 
 

Nicht nur viele Leute haben Johannes aufgesucht, der in der Gegend des Jordan die Umkehr verkündete und taufte, sondern eine Masse. Die Menschen sind von weit her gekommen, aus Galiläa, aus der ganzen Jordangegend, aus Jerusalem und aus ganz Judäa. Es kamen Priester und Leviten. Die fragten ihn: Wer bist du? Warum taufst du, wenn du nicht der Messias bist? Wer bist du denn? Auf ihre ungeduldigen Fragen bekamen sie eine biblische Antwort, ein Zitat aus dem Propheten Jesaja: Ich bin die Stimme, die in der Wüste ruft: Ebnet den Weg für den Herrn! Auf Wegen, die voll sind mit Schlaglöchern und Buckeln, passieren viele schwere, ja sogar auch tödliche Unfälle. Der Kernpunkt der jesajischen Botschaft ist: machen wir den Weg des Herrn zu uns und unseren Weg zum Herrn sicher.  

In der Menge waren nicht nur feine Leute wie die Priester und Leviten. Es waren auch Zöllner und Soldaten gekommen.  

Die Zollbeamten wurden in den Evangelien des Neuen Testamentes „Zöllner" genannt. Sie hatten bei den Juden einen schlechten Ruf, da sie im Dienste der verhassten römischen Besatzungsmacht standen und dazu noch in die eigene Tasche wirtschafteten. So ist es verständlich, dass die Zöllner in den Evangelien oftmals mit Sündern und Huren zusammen erwähnt werden. Aus diesem Grund murrten die Pharisäer und Schriftgelehrten: Dieser – nämlich Jesus – nimmt die Zöllner und Sünder an und isst mit ihnen. Der Herr nahm sie in Schutz: Wahrlich ich sage euch: Die Zöllner und Huren mögen wohl eher ins Himmelreich kommen denn ihr. Wenn man das heutige Evangelium hört, wundert man sich nicht. Kann sein, dass diese Leute sündig waren, aber sie hatten den guten Willen. Sie wollten aufstehen. Deswegen fragten sie Johannes demutsvoll: Meister, was sollen wir tun? Die Antwort war einfach und klar: Verlangt nicht mehr, als festgesetzt ist. 

Außer den Zöllnern kamen auch Soldaten. Die waren auch nicht die feinsten Herren, eher Gesindel. Zur Zeit als Johannes der Täufer auftrat, erhielten die Soldaten 900 Sestertien als Sold, außerdem Kost und Quartier. Weiters bekamen sie auch einen Teil aus der Kriegsbeute. Trotzdem gingen sie oft herum und ließen hier ein Stück Vieh, dort ein bisschen Obst oder einen Krug Wein mitgehen. Es war nicht selten, dass die Soldaten - heute möchten wir sagen - „Schutzgeld“ einkassierten. Es war unmöglich, gegen diese Kriminellen aufzutreten. So ist es einfach fantastisch, dass diese Verbrecher jetzt die Frage stellen: Was sollen denn wir tun? Auch heute kann sich kein Mensch vorstellen, dass Kriminelle, die die Gärten verwüsten, in die Wohnungen einbrechen, alte Frauen und Männer niederschlagen, die Frage stellen könnten: Was sollen wir tun? Heutzutage fragen die Medien: Wie könnten wir den armen Verbrechern helfen? 

Johannes der Täufer war noch ein altmodischer Prophet. Er sprach nicht von Toleranz. Er sagte den Söldnern, den damaligen Unternehmern, dass sie die Gesetze nicht übertreten und umgehen sollten, sondern sich zufrieden geben sollten mit dem, was ihnen gesetzlich zukam. Den Soldaten, den damaligen Kriminellen, wollte er keine gesetzliche Hilfe geben, dass sie etwa das, was sie bislang gestohlen hatten, von nun an als Sozialhilfe bekommen sollten, sondern er hat ihnen vorgeschlagen: Misshandelt niemand, erpresst niemand, begnügt euch mit eurem Sold! 

Noch einige Tage bleiben bis Weihnachten. Das Evangelium von heute regt uns an zu fragen: Meister, was sollen wir tun? Es wäre gut, darüber nachzudenken, was wohl Johannes der Täufer auf meine Frage antworten würde?!