2. Adventsonntag (6. Dezember 2009)

 Lk 3,1-6 
 

Es war im fünfzehnten Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius; Pontius Pilatus war Statthalter von Judäa, Herodes Tetrarch von Galiläa, sein Bruder Philippus Tetrarch von Ituräa und Trachonitis, Lysanias Tetrarch von Abilene; Hohepriester waren Hannas und Kaijaphas. Da erging in der Wüste das Wort Gottes an Johannes, den Sohn des Zacharias. Und er zog in die Gegend am Jordan und verkündigte dort überall Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden. So erfüllte sich, was im Buch der Reden des Propheten Jesaja steht: Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen! Jede Schlucht soll aufgefüllt werden, jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist, soll gerade werden, was uneben ist, soll zum ebenen Weg werden. Und alle Menschen werden das Heil sehen, das von Gott kommt. 
 

Das heutige Evangelium besteht aus zwei von einander gut trennbaren Teilen. Der erste Teil gibt den historischen Hintergrund der Geschehnisse. Es war im fünfzehnten Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius: Kaiser Tiberius, adoptierter Sohn des Kaisers Augustus, regierte zwischen 14 und 37 nach Christus. Also spielt die Erzählung des Evangeliums etwa im 29. Jahr nach Christus. Die anderen Daten geben nur ein politisches Bild vom Heiligen Land. Das Reich des Herodes des Großen wurde nach seinem Tod von den Römern auf vier Teile aufgeteilt. Ein Teil stand unter dem römischen Statthalter Pontius Pilatus, der später den Herrn verurteilte. In Galiläa, In der Heimat Jesu, herrschte Herodes Antipas, der älteste Sohn des Herodes des Großen. Er war ein sehr sittenloser Mensch. Johannes der Täufer hielt ihm den doppelten Ehebruch öffentlich vor, worauf er verhaftet, in die Bergfestung Machärus (heute liegt Machärus in Jordanien) gebracht und später auf Veranlassung der Herodias hingerichtet wurde. Philippus hat nach seiner Regierungsübernahme die an den Quellen des Jordan gelegene Stadt Paneas ausgebaut und gab ihr den Namen Caesarea Philippi. Von Lysanias wissen wir sehr wenig. – Weiter schreibt der Evangelist: Hoherpriester waren Hannas und Kaijaphas. Hannas wird also zusammen mit Kaiphas genannt. Der Grund dafür ist, dass Hannas von den römischen Machthabern abgesetzt wurde, die Juden ihn aber weiterhin als ihren rechtmäßigen Hohenpriester ansahen. 

Da erging in der Wüste das Wort Gottes an Johannes... Warum in der Wüste? Die Wüste ist ein idealer Ort für Prophezeiungen, denn hier kann der menschliche Blick ins Unendliche schweifen. Für die stets ruhelosen Juden ist die Unendlichkeit des Raumes mit einem Gefühl der Freiheit verbunden. Diese Freiheit wird aber durch die Taufe nicht nur ein Gefühl, sondern Wirklichkeit. 

Johannes der Täufer ist inhaltlich untrennbar mit dem Thema Buße verbunden. Dem Herrn den Weg bereiten bedeutet Buße tun, sich von allem was krumm in uns ist befreien und so dem Herrn in unserer Seele einen ebenen Weg bereiten. Ein kleines Kind, das zu Weichnachten zu uns kommen möchte, kann ja nicht auf hohe Berge und durch tiefe Täler klettern. Wenn wir uns also mit ihm treffen möchten, dann hören wir und tun wir, was Johannes vorschlägt: Jede Schlucht soll aufgefüllt werden, jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist, soll gerade werden, was uneben ist, soll zum ebenen Weg werden. Und alle Menschen werden das Heil sehen, das von Gott kommt.