1. Adventsonntag (29. November 2009)

  1. Lk 21,25-28.34-36 
     

     Es werden Zeichen sichtbar werden an Sonne, Mond und Sternen, und auf der Erde werden die Völker bestürzt und ratlos sein über das Toben und Donnern des Meeres. Die Menschen werden vor Angst vergehen in der Erwartung der Dinge, die über die Erde kommen; denn die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden. Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf einer Wolke kommen sehen. Wenn (all) das beginnt, dann richtet euch auf, und erhebt eure Häupter; denn eure Erlösung ist nahe. Nehmt euch in Acht, dass Rausch und Trunkenheit und die Sorgen des Alltags euch nicht verwirren und dass jener Tag euch nicht plötzlich überrascht, (so) wie (man in) eine Falle (gerät); denn er wird über alle Bewohner der ganzen Erde hereinbrechen. Eine Reihe von Textzeugen hat: denn wie eine Falle wird er über alle Bewohner ... hereinbrechen. Wacht und betet allezeit, damit ihr allem, was geschehen wird, entrinnen und vor den Menschensohn hintreten könnt. 
 

     Ich möchte aus der Legenda aurea zitieren, und deshalb muss ich ein paar Worte über das berühmte Buch sagen. Die Legenda aurea, die Goldene Legende, ist eine im 13. Jahrhundert von einem Dominikanermönch verfasste Sammlung von ursprünglich 182 Traktaten zu Kirchenfesten und vor allem Heiligenlegenden. Der Mönch Jacobus de Voragine schuf damit das populärste und am weitesten verbreitete religiöse Volksbuch des Mittelalters, das man auch heutzutage gerne liest. Über die Adventzeit schreibt der Dichter: „Es sind vier Wochen des Advent, die bezeichnen die vier Aspekte unseres Herrn: die erste Woche, dass er zu uns gekommen ist in der Menschheit, die zweite, dass er mit Gnaden gekommen ist in der Menschen Herzen, die dritte, dass er zu uns gekommen ist in den Tod, die vierte, dass er wiederkommen wird zu dem jüngsten Gericht. Die letzte Woche des Advent wird selten beendet, zum Zeichen, dass die Glorie kein Ende hat, zu der die Heiligen am jüngsten Tag kommen werden.“ 

     Heute hörten wir im Evangelium eine Predigt des Herrn über sein viertes Wiederkommen zum jüngsten Gericht. Die Fachleute sagen, dass Jesus diese Gerichtsrede über die Endzeit im Gehenna, in dem Tal zwischen dem Tempel und dem Ölberg gehalten hat. In dieser tiefen, schmalen Schlucht am Fuße der Mauern Jerusalems liegen auch uralte Königsgräber, außerdem ein mittelalterlicher islamischer und auch ein neuer jüdischer Friedhof. Zur Zeit Jesu war das Gehenna ein Strafort, also konnten sich die Hörer die Endzeit, den himmlischen Richter sehr plastisch vorstellen. 

     Es könnte gut sein, wenn wir uns das Wiederkommen des Herrn nicht nur vorstellen, sondern uns auf dieses Wiederkommen auch vorbereiten würden. Nicht aus Furcht und Angst, sondern mit Freude und aus Liebe. Advent ist die Zeit dieser fröhlichen Vorbereitung.