Hl. Leopold (15. November 2009)

Lk 19, 12-26 

Jesus sagte: Ein Mann von vornehmer Herkunft wollte in ein fernes Land reisen, um die Königswürde zu erlangen und dann zurückzukehren. Er rief zehn seiner Diener zu sich, verteilte unter sie Geld im Wert von zehn Minen und sagte: Macht Geschäfte damit, bis ich wiederkomme. Da ihn aber die Einwohner seines Landes hassten, schickten sie eine Gesandtschaft hinter ihm her und ließen sagen: Wir wollen nicht, dass dieser Mann unser König wird. Dennoch wurde er als König eingesetzt. Nach seiner Rückkehr ließ er die Diener, denen er das Geld gegeben hatte, zu sich rufen. Er wollte sehen, welchen Gewinn jeder bei seinen Geschäften erzielt hatte. Der erste kam und sagte: Herr, ich habe mit deiner Mine zehn Minen erwirtschaftet. Da sagte der König zu ihm: Sehr gut, du bist ein tüchtiger Diener. Weil du im Kleinsten zuverlässig warst, sollst du Herr über zehn Städte werden. Der zweite kam und sagte: Herr, ich habe mit deiner Mine fünf Minen erwirtschaftet. Zu ihm sagte der König: Du sollst über fünf Städte herrschen. Nun kam ein anderer und sagte: Herr, hier hast du dein Geld zurück. Ich habe es in ein Tuch eingebunden und aufbewahrt; denn ich hatte Angst vor dir, weil du ein strenger Mann bist: Du hebst ab, was du nicht eingezahlt hast, und erntest, was du nicht gesät hast. Der König antwortete: Aufgrund deiner eigenen Worte spreche ich dir das Urteil. Du bist ein schlechter Diener. Du hast gewusst, dass ich ein strenger Mann bin? Dass ich abhebe, was ich nicht eingezahlt habe, und ernte, was ich nicht gesät habe? Warum hast du dann mein Geld nicht auf die Bank gebracht? Dann hätte ich es bei der Rückkehr mit Zinsen abheben können. Und zu den anderen, die dabeistanden, sagte er: Nehmt ihm das Geld weg, und gebt es dem, der die zehn Minen hat. Sie sagten zu ihm: Herr, er hat doch schon zehn.  (Da erwiderte er:) Ich sage euch: Wer hat, dem wird gegeben werden; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat. 
 

     Das Wort Evangelisierung hat eine überaus reichhaltige Bedeutung. In einem weiteren Sinn fasst es die gesamte Sendung der Kirche zusammen. Evangelisieren bedeutet in jedem Fall nicht nur eine Lehre unterrichten, sondern den Herrn Jesus in Wort und Tat verkünden, also Werkzeug seiner Gegenwart und Wirksamkeit in der Welt werden. Heute feiert Österreich seinen Landespatron, den heiligen Leopold, der als Staatsmann, als Ehemann, als Vater und nicht zu letzt als katholischer Christ seinem Land ein wunderbares Beispiel gab.  

     Der hl. Leopold hat vieles begründet, was durch die Jahrhunderte gewirkt hat und heute noch mehr ist als eine bloße Erinnerung. Seine wichtigste Gründung ist Klosterneuburg. Der Legende nach war es die Stelle, an der ihm auf einer Jagd eine Marienerscheinung den Schleier seiner Frau Agnes zeigte, den diese Jahre zuvor verloren hatte. Andere Klöstergründungen waren Stift Heiligenkreuz und Klein-Mariazell. Diese Gründungen dienten der Evangelisierung, der Bildung. Man könnte ruhig sagen, ihm kann Österreich danken, dass es ein katholisches Land ist. 

     Aber dafür, dass es weiter ein christliches Land bleibt, brauchen wir wieder christliche Staatsmänner, Ehemänner und Väter, die ihre Stimmen erheben, dass nicht nur die Atheisten Rechte haben, sondern auch wir Christen. Jeder Mensch hat das Recht, von der Frohbotschaft Gottes zu hören, die sich in Christus offenbart und schenkt. Das ist ein Grundrecht der Menschen. Wir brauchen tapfere Christen, die mutig das Kreuz wieder dorthin stellen, wo es hingehört, vor die Augen der Menschen.