Christkönigssonntag (22. November 2009)

Joh 18, 33b-37 
 

Pilatus ging wieder in das Prätorium hinein, ließ  Jesus rufen und fragte ihn: Bist du der König der Juden? Jesus antwortete: Sagst du das von dir aus, oder haben es dir andere über mich gesagt? Pilatus entgegnete: Bin ich denn ein Jude? Dein eigenes Volk und die Hohenpriester haben dich an mich ausgeliefert. Was hast du getan? Jesus antwortete: Mein Königtum ist nicht von dieser Welt. Wenn es von dieser Welt wäre, würden meine Leute kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Aber mein Königtum ist nicht von hier. Pilatus sagte zu ihm: Also bist du doch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme. 
 

      Unser Heiland besaß zwei Naturen: die göttliche und die menschliche. Deshalb wurden beide einer Untersuchung unterzogen. Das religiöse Verhör beschäftigte sich mit der Frage des Kaiphas: Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, dass du uns sagest, ob du der Messias, der Sohn Gottes, bist (Mt 26, 63). Seine Antwort war klar: Ich bin es (Mk 14, 62). Das Verhör von Christus, dem Propheten, war beendet. 

     Nun wurde Christus, der König, verhört. Das zivile Verhör beschäftigte sich mit der Frage des Pilatus: Bist du der König der Juden? (Joh 18, 33). In seiner Antwort unterscheidet Jesus zwischen politischem und religiösem Königtum: Mein Königtum ist nicht von dieser Welt. Wenn es von dieser Welt wäre, würden meine Leute kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Aber mein Königtum ist nicht von hier. 

     Eigentlich könnte auch im politischen Sinn von Königtum die Rede sein. Der Prophet Jesaja verkündet von dem künftigen Messias, er werde dem königlichen Haus David entstammen. (vgl. Jes 9, 5). Die Genealogie Jesu beweist eindeutig, dass der Herr eine königliche Abstammung hatte. Das sagen nicht nur wir Christen, sondern auch die Juden. Der Talmud ist eines der wichtigsten Werke des Judentums, man kann sogar sagen, er sei eine der Säulen des Judentums. Der Talmud schrieb ziemlich grobe, ja sogar drastische Worte über die Muttergottes, aber trotzdem räumt er ein: „Sie stammt von Fürsten und Herrschern“ (bT Synhedrin 106a; 111/IX). Als Jesus geboren worden war, kamen Sterndeuter und fragten so nach ihm: Wo ist der neugeborene König der Juden? (vgl. Mt 2, 1-2). Als Jesus mit seinen Begleitern in Jerusalem feierlich einzog, erinnern sich die Apostel, dass das nur deswegen geschah, damit sich erfüllte, was durch den Propheten gesagt worden ist: Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir. Am Kreuz wurde die von Pilatus angeordnete Aufschrift in hebräischer, lateinischer und griechischer Schrift angebracht: Jesus von Nazareth, König der Juden (Joh 19, 19). Somit wurden sein Tod wie auch seine Königswürde verkündet im Namen der drei Weltstädte Jerusalem, Rom und Athen; in der Sprache des Guten, des Wahren und des Schönen. Man forderte Pilatus zwar auf, die Schrift über dem Kreuz abzuändern, aber der Statthalter erwiderte ihnen: Was ich geschrieben habe, bleibt geschrieben. 

      Jesus bestätigt die Worte des Pilatus, als er sagt: Du sagst es, ich bin ein König. Obwohl Jesus auch in politischem Sinn ein König sein könnte, spricht er jetzt von seinem religiösen Königtum. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Er ist König der Wahrheit. Jeder, der getauft ist, ist schon jetzt Staatsangehöriger des Reichs der Wahrheit, will er aber auch in dem zukünftigen Reich Staatsbürger sein, genügt nicht das Hören und ein Lippenbekenntnis, sondern dann geht es um das tätige Zeugnis für den Christkönig.