33. Sonntag im Jahreskreis (8. November2009)

Mk 12, 41 – 44 

Diese arme Witwe hat mehr eingelegt als alle… 

Und er setzte sich dem Schatzkasten gegenüber und sah, wie die Volksmenge Geld in den Schatzkasten einlegte; und viele Reiche legten viel ein. Und eine arme Witwe kam und legte zwei Scherflein ein, das ist ein Pfennig. Und er rief seine Jünger herbei und sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr eingelegt als alle, die in den Schatzkasten eingelegt haben. Denn alle haben von ihrem Überfluss eingelegt; diese aber hat aus ihrem Mangel alles, was sie hatte, eingelegt, ihren ganzen Lebensunterhalt. 
 

Die Bühne des heutigen Evangeliums war der Frauenhof des Tempels in Jerusalem. Das wissen wir darum genau, weil Markus schreibt: Und er setzte sich dem Schatzkasten gegenüber. Der Tempel hatte drei Teile. Das Allerheiligste war der hinterste Raum des Tempels mit der Bundeslade, hierher durfte nur der Hohepriester einmal im Jahr eintreten. Im Allerheiligsten also konnte niemand sitzen. Der zweite Teil war das Heiligtum mit dem Opferaltar. Hier durften nur die Könige, die zum Haus David gehörten, oder der Hohepriester sitzen. Der dritte Teil war der Frauenhof. Hier durfte jeder sitzen. 

Vom Frauenhof aus öffnete sich die Schatzkammer, in der dreizehn posaunenartige Geldbehälter standen. Posaunenartig waren die Geldbehälter, damit Diebe daraus nicht das Geld herausfischen konnten. Dreizehn Geldbehälter gab es für verschiedene Zwecke. Wenn einer sagte: „Siehe, ich nehme als Gelübde Turteltauben auf mich“, so brachte er den Geldwert und legte ihn in den Behälter für Turteltauben. Wenn jemand nur eine unbestimmte Opfergabe geben wollte, warf er diese in den dreizehnten Geldbehälter hinein. Das heißt, man musste seine Opfergabe erst dem Priester zeigen, der letztendlich entschied, in welchen Geldbehälter einzuwerfen war. Der Priester hat es laut verkündet: ein Golddukat, ein Silberdenar, eine Kupfermünze, ein Lepton. Ein Lepton war die geringfügigste Münze. 

Die Frau gab also einen Lepton. Als der Priester das ausrief, haben wahrscheinlich die Umstehenden geschmunzelt, gelacht oder gar die Witwe verspottet. So ist es verständlich, dass der Herr seine Jünger herbeirief, weg aus der Menge der Verhöhnenden, und die Witwe in Schutz nahm. Diese da hat ihre Gabe nicht aus Eitelkeit mitgebracht, damit die Leute hören sollten, wie großherzig, wie reich sie sei. Sie brachte ihre Opfergabe aus dem Herzen. 

Wir werden auch oft verhöhnt wegen unserer Glaubensübungen, wie man in der Kirche steht, sitzt, die Hände hält, Kniebeugen macht, die Reliquien küsst und so weiter. Aber seien wir ganz ruhig. Der Herr sitzt hier neben uns und sagt: ihr habt mehr gegeben als alle. Ihr habt mir euer Herz gegeben und das ist mehr wert als Golddukaten, Silberdenare, Kupfermünzen oder eben ein Cent.