Allerheiligen (01. November 2009)

Mt 5, 1-12a 

Als Jesus die vielen Menschen sah, stieg er auf einen Berg. Er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm. Dann begann er zu reden und lehrte sie. Er sagte: Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich. Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden. Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben. Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden. Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden; selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen. Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden. Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich. Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet. Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein. 

Heute feiern wir Allerheiligen. Obwohl alle, die schon im Himmel angelangt sind, selig oder heilig sind, nennen wir trotzdem in der Liturgie nur diejenigen selig oder heilig, von denen die Kirche offiziell verkündet, dass sie dieses Ziel erreicht haben. 

Anfangs bestimmte das Volk, wer für sie ein Heiliger war. Vom 10. Jahrhundert an zogen die Päpste das Recht der Heiligsprechung an sich. Seit dem Amtsantritt von Papst Benedikt XVI. im Jahr 2005 werden Seligsprechungen nicht mehr vom Papst sondern wieder durch den zuständigen Bischof vorgenommen. So wurde es möglich, dass ich gestern in Ungarn, in Esztergom, eine Seligsprechung mitfeiern konnte. Im Namen des Papstes hat der Erzbischof von Esztergom-Budapest, Kardinal Peter Erdő, eine Symbolgestalt der ungarischen kommunistischen Kirchenverfolgung, Märtyrerbischof Zoltan Lajos Meszlenyi (1892-1951), in der Kathedrale von Esztergom seliggesprochen. Er ist also eindeutig im Himmel.  

Was machen die Seligen und Heiligen im Himmel? Sie lobpreisen den Herrn in Ewigkeit. Ist das nicht ein bisschen monoton und langweilig? Im Himmel ist dieser ewige Lobpreis, ein ewiges Fest – eine ewige Party! Und heute, am Tag Allerheiligen, schalten wir uns, hier auf der Erde, zu dieser Party dazu. Nicht schlecht, oder? 

Wenn wir dieses Fest feiern, dann nicht für die Heiligen, denn die sind schon in der Glückseligkeit, in der Freude Gottes, sondern für uns: wir brauchen dieses Fest, wir brauchen es „den Himmel offen zu sehen“ und unsere wahre Heimat, unsere wahre Bestimmung neu zu entdecken. Wir müssen „den Himmel offen sehen“, um zu sehen, wohin uns die Kirche ruft. 

Heute müssen wir eine neue Kirchenverfolgung erleben. In einigen Teilen der Erde ist eine blutige Kirchenverfolgung. Tag für Tag hören wir in den Nachrichten, dass man in Afrika, in Indien, in islamischen Ländern Bischöfe, Priester, Nonnen und Gläubige getötet, Kirchen angezündet, die Häuser der Christen in Trümmer gelegt hat. Aber es geht auch ohne Blut - mit kleinen Ärgernissen, die man uns regelmäßig und täglich bereitet. Bitten wir den neuen seligen Märtyrerbischof, er möge uns helfen, bis zum Tode standzuhalten. 

Seliger Märtyrerbischof Zoltan Meszlenyi, bitte für uns!