30. Sonntag im Jahreskreis (25. Oktober 2009)

Mk 10, 46 – 52 

Sohn Davids, Jesus, hab Erbarmen mit mir! 

     In jener Zeit, als Jesus mit seinen Jüngern und einer großen Menschenmenge Jericho verließ, saß an der Straße ein blinder Bettler, Bartimäus, der Sohn des Timäus. Sobald er hörte, dass es Jesus von Nazaret war, rief er laut: Sohn Davids, Jesus, hab Erbarmen mit mir! Viele wurden ärgerlich und befahlen ihm zu schweigen. Er aber schrie noch viel lauter: Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir! Jesus blieb stehen und sagte: Ruft ihn her! Sie riefen den Blinden und sagten zu ihm: Hab nur Mut, steh auf, er ruft dich. Da warf er seinen Mantel weg, sprang auf und lief auf Jesus zu. Und Jesus fragte ihn: Was soll ich dir tun? Der Blinde antwortete: Rabbuni, ich möchte wieder sehen können. Da sagte Jesus zu ihm: Geh! Dein Glaube hat dir geholfen. Im gleichen Augenblick konnte er wieder sehen, und er folgte Jesus auf seinem Weg. 
 

   Heute hörten wir von der Blindenheilung bei Jericho. Im Neuen Testament ist mehrfach von Jericho die Rede. Jericho gilt als eine der ältesten ununterbrochen bewohnten Städte der Welt, wenn nicht überhaupt als älteste Stadt der Welt. Oft lesen wir Wunderberichte in den Evangelien, aber nur den Namen des Blinden von Jericho kennen wir. Er hieß: Bartimäus, der Sohn des Timäus. 

Viele folgten dem Herrn auf dem Weg von Jericho nach Jerusalem. Haben sie sich angeschlossen oder sind sie nur hinterhergegangen? Jedenfalls störte es sie, dass der Blinde laut rief: Sohn Davids, Jesus, hab Erbarmen mit mir! Sie wollten ihn zum Schweigen bringen. Na, die waren nicht die Letzten, die sich deswegen ärgerten, dass man auch nach 2000 Jahren noch von Jesus spricht. Es gibt auch heute noch Menschen, die wünschen, dass man über Jesus keinen Ton verlieren möge.  

Obwohl der Blinde noch kein Christ war, konnte man ihn nicht zum Schweigen bringen. Der Evangelist schreibt: Er aber schrie noch viel lauter: Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir! Eigentlich müssten wir seinem Beispiel folgen: mit desto größerem Eifer man versucht, uns von Jesus zurückzuhalten, mit umso größerem Eifer verkünden wir seinen Namen.  

Sein Aushalten lohnte sich. Jesus blieb stehen und sagte: Ruft ihn her! Er war zwar blind, aber nicht taub. Er hörte den Ruf des Herrn. Dieser Ruf geht auch heute rund um die Welt. Es gilt auch uns. Bartimäus sprang auf und ging zu dem Herrn. Höre ich auch seinen Ruf? In jeder Messe kommt er und ruft uns. Springe ich auch auf und eile zu ihm? Vorsicht! Nicht dass er einmal weitergeht und mich sitzen lässt. 

Jesus fragte ihn: Was soll ich dir tun? Habe ich mich auf so eine Frage vorbereitet? Oder habe ich keine blasse Idee, was ich ihm sagen soll? Nur weil ich mich nicht vorbereitet habe, oder weil ich keinen Glaube habe? Bin ich nicht vorbereitet, weil ich in der Messe, wenn er kommt, mich mit allem Möglichen beschäftige nur nicht mit ihm? Habe ich schon vergessen, dass er versprochen hat: Bittet, so wird euch gegeben! (Lk 11, 9)? 

Ich habe einen Vorschlag. Wenn er heute bei der Wandlung kommt, sollten wir ihn bitten: Jesus, Sohn Davids vermehre den Glauben in mir! Jesus, Sohn Davids stärke die Hoffnung in mir! Jesus, Sohn Davids entzünde die Liebe in mir!