20. Sonntag im Jahreskreis (16. August 2009)

Joh 6, 51-58 

Nehmet und esset alle davon 

Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, (ich gebe es hin) für das Leben der Welt. Da stritten sich die Juden und sagten: Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben? Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, das sage ich euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag. Denn mein Fleisch ist wirklich eine Speise, und mein Blut ist wirklich ein Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich bleibe in ihm. Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst, durch mich leben. Dies ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Mit ihm ist es nicht wie mit dem Brot, das die Väter gegessen haben; sie sind gestorben. Wer aber dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit. 

     Sooft ich mit Priesterkandidaten in Kapernaum die Ruinen der ehemaligen Synagoge besuche, lesen wir einen Teil aus dem 6. Kapitel des Johannes Evangeliums, in dem der Herr das Brot der Ewigkeit verspricht. Heuer war es ein besonderes Erlebnis, da unser Bischof auch mit war. Wir fühlten uns wie vor zweitausend Jahren, da der Bischof Stellvertreter Christi ist (Vgl. Kompendium 327), und deshalb baten wir ihn nach dem Vorlesen des Textes, er solle uns einige Worte über das Evangelium sagen. Heute möchte ich kurz zusammenfassen, was der Kardinal uns sagte.  

     Nach der Brotvermehrung, als fünftausend Männer, die Frauen und Kinder nicht mitgezählt, satt geworden waren, war es kein Wunder, dass diese Leute Jesus zum König machen wollten. Hätte er die Königskrone angenommen, wäre eines der ganz großen Probleme der Menschheit gelöst gewesen, nämlich die Frage nach dem Hunger in der Welt. Aber Jesus flieht auf einen Berg. Als sie ihn dann suchen, hält er ihnen eine lange Rede, aus der wir heute einen Abschnitt gehört haben. Als der Sohn Gottes die Herrlichkeit des Himmels verließ und Mensch wurde, da ist er ja nicht auf diese Erde gekommen, damit die Bäcker arbeitslos würden. Es geht um etwas anderes. Es gibt in dieser Welt einen Hunger, der größer ist als der Hunger nach irdischem Brot und Nahrung. Und diesen Hunger möchte Jesus stillen. Wie Gott einst in der Wüste das Volk mit dem Manna ernährt hat, so will er in der Zukunft, also heute, das neue Volk Gottes ernähren. „Ich bin das Brot des Lebens. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben“- sagte Jesus. Mit diesen Worten nimmt Jesus ganz deutlich Bezug auch auf die Feier der Eucharistie, die dann seit der frühen Kirche gefeiert wurde. In jeder heiligen Messe wird ihnen das Brot des Lebens gereicht, der Leib Christi. 

     Wir saßen in der Sonne und waren schon ganz schlaff. Da erzählte er uns eine Anekdote, die er irgendwo in Deutschland gehört hatte. Ein Kaplan war einmal mit einer Jugendgruppe auf einer Fahrradtour gewesen. Damals haben sie an einem Auto hinten einen Aufkleber gesehen. Da stand auf dem Aufkleber: „Jesus sagt: Ich bin das Brot des Lebens.“ Und wie Jugendliche manchmal so sind, haben die von außen einen Zettel darunter geklebt: „Lass es nicht verschimmeln!“