Mariä Aufnahme in den Himmel (15. August 2009)

Lk 1, 39-56 

Die Schutzmadonna 

Nach einigen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet. Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ. Da sagte Maria: Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan  und sein Name ist heilig. Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten. Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten:  Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; er stürzt die Mächtigen vom Thron  und erhöht die Niedrigen.  Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen. Er nimmt sich seines Knechtes Israel an  und denkt an sein Erbarmen, das er unsern Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig. Und Maria blieb etwa drei Monate bei ihr; dann kehrte sie nach Hause zurück. 
 

Man erzählt, dass der Heilige Petrus ein sehr strenger Hüter des Tors des Himmels ist. Nicht jeden will er hineinlassen. Einige schickte er weg. Am nächsten Tag aber sah er staunend, dass die, die er abgewiesen hatte, im Himmel fröhlich auf und ab spazierten. Murrend ging er an seinen Dienstplatz, um zu suchen, ob irgendwo eine schadhafte Stelle wäre. Wie er dort den Eingang einer Prüfung unterwarf, sah er die Mutter Gottes in den Himmel kommen. Während sich Petrus mit Ehrfurcht verbeugte, sah er mit weit geöffnetem Mund, dass sich unter dem Mantel der Herrin Leute versteckten, die er an vorhergehenden Tagen abgewiesen hatte. Zornig brummte der Bewahrer des Himmels: „Na, so ist es!“. Die Mutter Gottes aber sah ihn sanft an und sagte: „Sei nicht böse, Peter! Du musst einsehen, ich kann nicht anders tun. Als sie noch auf der Erde lebten, baten sie mich ‚Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes …‘ Einer solchen Bitte kann ich nie widerstehen.“ 

Ich denke, viele kennen diese Legende, weil wir unter den Mariendarstellungen viele Schutzmadonna-Darstellungen finden. Die Madonna, die unter ihrem ausgebreiteten Mantel betende Gläubige birgt. Die Figuren unter dem Mantel stehen unter dem Schutz Mariens. Das Motiv basiert zunächst allgemein auf dem Rechtsbrauch des Mantelschutzes, wonach man einer Person durch Bedecken mit seinem Mantel rechtlichen Schutz gewährt. 

Heute feiern wir Mariä Aufnahme in den Himmel. Papst Pius XII. formulierte das Dogma der leiblichen Aufnahme in den Himmel so: „In der Autorität unseres Herrn Jesus Christus, der seligen Apostel Petrus und Paulus und auch kraft Unserer eigenen verkündigen, erklären und definieren Wir: Es ist ein von Gott geoffenbartes Dogma, dass die immerwährende Jungfrau Maria, die makellose Gottesgebärerin, als sie den Lauf des irdischen Lebens vollendete, mit Leib und Seele zur himmlischen Glorie aufgenommen wurde." Das ist ja sehr präzis ausgedrückt. Ich aber möchte euch heute nicht mit so einer schweren dogmatischen Aussage belästigen. Ich möchte mich zufrieden geben, wenn wir uns auf ewig merken: Von dem Tag an, da Gott die Gottesgebärerin in den Himmel aufnahm, haben wir im Himmel eine sichere Schutzpatronin, die Schutzmadonna.