19. Sonntag im Jahreskreis (09. August 2009)

Joh 6, 41-51 

Murrt nicht! 

Da murrten die Juden gegen ihn, weil er gesagt hatte: Ich bin das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Und sie sagten: Ist das nicht Jesus, der Sohn Josefs, dessen Vater und Mutter wir kennen? Wie kann er jetzt sagen: Ich bin vom Himmel herabgekommen? Jesus sagte zu ihnen: Murrt nicht! Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zu mir führt; und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag. Bei den Propheten heißt es: Und alle werden Schüler Gottes sein. Jeder, der auf den Vater hört und seine Lehre annimmt, wird zu mir kommen. Niemand hat den Vater gesehen außer dem, der von Gott ist; nur er hat den Vater gesehen. Amen, amen, ich sage euch: Wer glaubt, hat das ewige Leben. Ich bin das Brot des Lebens. Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. So aber ist es mit dem Brot, das vom Himmel herabkommt: Wenn jemand davon isst, wird er nicht sterben. Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, (ich gebe es hin) für das Leben der Welt. 
 

Die Priesterkandidaten sind eben Priesterkandidaten, sie sind auch noch nicht Heilige, wenn sie auch nach Heiligkeit streben müssten. So ist es verständlich, dass damals, als wir im Seminar waren und natürlich auch den Psalm 133 gebetet haben, die Worte des Psalmisten „Seht doch, wie gut und schön ist es, wenn Brüder miteinander in Eintracht wohnen“ so verdreht wurden: „Seht doch, wie gut und schön ist es, wenn Brüder miteinander in Eintracht murren“. Also das Murren war nicht allein die Eigenschaft der Juden in der Wüste wider Mose und Aaron, in Kapernaum gegen den Herrn, als er das Brot des Lebens versprach. Das Murren übernahmen auch wir Christen und – wenn ich die sogenannten christlichen Zeitungen lese – murrt man von früh bis abends gegen die Kirche, gegen den Papst, gegen die Bischöfe und sind allein – mit großem Selbstbewusstsein – mit unserer eigenen „Vollkommenheit“ zufrieden. Einige Male nehmen wir an – mit falscher Demut –, dass, na ja, kann sein, dass vielleicht auch wir einen Fehler haben. Aber nur in dem Sinn, den der Apostel Johannes schrieb: „Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so verführen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns“ (1Joh 1, 8). Das konnte der heilige Johannes nur darum schreiben, weil er uns noch nicht kannte. 

Murren ist immer wieder die Reaktion des Volkes den Gaben Gottes gegenüber. Man murrt an meisten, weil man die Gaben Gottes nicht versteht und mit den Gaben unzufrieden ist. Man murrt wegen der Unverständlichkeit, deren Urgrund der Prophet Jesaja im Namen des Herrn so formulierte: Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken. Viele sagen, sie glauben darum nicht, weil sie nur das annehmen, was sie verstehen. Eigentlich sind sie sehr arme Leute, die geistig behindert sind, da sie vieles nicht verstehen. Schon die Ureltern waren unzufrieden. Sie lebten zwar in dem Garten Eden und Gott übergab ihnen alle Pflanzen auf der ganzen Erde, die Samen tragen, und alle Bäume mit samenhaltigen Früchten. Trotzdem waren sie unzufrieden und murrten, weil sie sein wollten wie Gott. Ihre Unzufriedenheit wurde zum Fall der Menschheit.  

Heute sollten wir den Rat des Herrn annehmen: Murrt nicht! Nehmet an was Gott Euch gab mit Dankbarkeit und mit Freude und singet aus ganzem Herzen: Herr! Ich danke, dass ich ein Christ bin. Ich danke, dass ich danken kann.