18. Sonntag im Jahreskreis (02. August 2009)

Das ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat. 

Als die Leute sahen, dass weder Jesus noch seine Jünger dort waren, stiegen sie in die Boote, fuhren nach Kafarnaum und suchten Jesus. Als sie ihn am anderen Ufer des Sees fanden, fragten sie ihn: Rabbi, wann bist du hierher gekommen? Jesus antwortete ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und satt geworden seid. Müht euch nicht ab für die Speise, die verdirbt, sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt und die der Menschensohn euch geben wird. Denn ihn hat Gott, der Vater, mit seinem Siegel beglaubigt. Da fragten sie ihn: Was müssen wir tun, um die Werke Gottes zu vollbringen? Jesus antwortete ihnen: Das ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat. Sie entgegneten ihm: Welches Zeichen tust du, damit wir es sehen und dir glauben? Was tust du? Unsere Väter haben das Manna in der Wüste gegessen, wie es in der Schrift heißt: Brot vom Himmel gab er ihnen zu essen. Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. Denn das Brot, das Gott gibt, kommt vom Himmel herab und gibt der Welt das Leben. Da baten sie ihn: Herr, gib uns immer dieses Brot! Jesus antwortete ihnen: Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben. 
 

     Der Herr sagt: „Das ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat.“ Das haben die Zuhörer natürlich verstanden, weil bei den Juden auch das einfache Volk, der „am-ha-arez“, in der Offenbarung bewandert war, daher wussten alle, dass Mose versprach: „Einen Propheten wie mich wird dir der Herr, dein Gott, aus deiner Mitte, unter deinen Brüdern, erstehen lassen. Auf ihn sollt ihr hören“. Im heutigen Evangelium stellt sich Jesus als der von Gott gesandte Prophet vor und wünscht, dass man an ihn glauben solle.  

     Zur Zeit Jesu beherrschten die Römern das Land Israel. In Zeiten schwerer Bedrängnis des jüdischen Volkes traten immer wieder Männer auf, die messianische Ansprüche erhoben. Die daraus hervorgegangenen Messias-Bewegungen zielten darauf ab, die Zukunft des jüdischen Volkes zu gestalten: Es sollte seine politische Selbstständigkeit wieder erlangen. Sobald sich ein Mann fand, der es verstand, seiner Umwelt den Glauben an seine messianische Berufung einzuflößen, verdichtete sich die Sehnsucht nach nationaler Erlösung rasch zu einer messianischen Bewegung. Solche Bewegungen waren mit dem Glauben an den Erlöser, der “am Ende der Zeiten” kommen sollte, an den Messias also, eng verknüpft. Beim Volke galten sie als Wundertäter, die die vorgesehenen Funktionen des Messias übernehmen durften. So ist die Frage verständlich, die das Volk stellte: „Welches Zeichen tust du, damit wir es sehen und dir glauben?“

     Die Frage ist seltsam, da sie die Brotvermehrung miterlebt hatten und jetzt noch ein neues Wunder verlangen. Ist hier wirklich von einer Messias-Bewegung die Rede? Nein. Das Volk suchte nicht den Messias und sie suchten nicht ein Zeichen für das „Ende der Zeiten” wenn der Erlöser kommen sollte. Das betont auch Jesus, als er ihnen sagte: „Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und satt geworden seid.“  

     Jesus ist der wahre Messias. Johannes, der eine brennende und leuchtende Lampe war, hat Zeugnis für Jesus abgelegt. Jesus ist wirklich der Messias, der Gesalbte. „Ich sah den Geist wie eine Taube aus dem Himmel herabkommen, und er blieb auf ihm.“ Er ist nicht ein Brotkönig. Johannes hat ihn den Jüngern so vorgestellt: „Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt!“ Aber nicht nur Johannes, sondern auch ein größerer, der himmlische Vater selbst, legte durch die Wunder ein Zeugnis ab. Später haben auch seine Gegner das anerkennen müssen: Infolgedessen versammelten die Oberpriester und die Pharisäer den Sanhedrin und begannen zu sagen: „Was sollen wir tun, denn dieser Mensch tut viele Zeichen?“ 

     Machen wir es nicht ähnlich wie die Leute im heutigen Evangelium? Wir suchen nicht den wirklichen Messias, nicht den Erlöser, den Befreier aus der Knechtschaft der Sünde, sondern einen Messias nach eigenem Geschmack, nämlich nach einem politischen und/oder ökumenischen Befreier, der uns satt macht. Die Welt ist voll von diesen Lügen-Messiassen, die dem Volk - d. h. uns - Wohlstand und Glück versprechen. Das hat unser Herr vorausgesagt: „Es werden falsche Propheten auftreten und sie werden große Zeichen und Wunder tun, um, wenn möglich, auch die Auserwählten zu verführen.“  

     Ich möchte heute meine Predigt mit einem Gedicht von Alkuin beenden:

Jesus, Sohn Davids, erbarme dich meiner. 
Erleuchte du meine Augen, 
dass ich den Weg zu dir finde, 
Mach du meine Schritte fest, 
dass ich vom Weg nicht abirre. 
Öffne, du meinen Mund, 
dass ich von dir spreche. 
Du willst, dass ich meine Mitmenschen liebe. 
Lass mich ihnen dienen, 
dass sie ihr Heil finden 
und in die Herrlichkeit gelangen. Amen