15. Sonntag im Jahreskreis (12. Juli 2009)

Mk 6, 7-13 

Die Sorge für den Kranken 

Jesus rief die Zwölf zu sich und sandte sie aus, jeweils zwei zusammen. Er gab ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben, und er gebot ihnen, außer einem Wanderstab nichts auf den Weg mitzunehmen, kein Brot, keine Vorratstasche, kein Geld im Gürtel, kein zweites Hemd und an den Füßen nur Sandalen. Und er sagte zu ihnen: Bleibt in dem Haus, in dem ihr einkehrt, bis ihr den Ort wieder verlasst. Wenn man euch aber in einem Ort nicht aufnimmt und euch nicht hören will, dann geht weiter, und schüttelt den Staub von euren Füßen, zum Zeugnis gegen sie. Die Zwölf machten sich auf den Weg und riefen die Menschen zur Umkehr auf. Sie trieben viele Dämonen aus und salbten viele Kranke mit Öl und heilten sie. 

     Was schon für das öffentliche Wirken Jesu kennzeichnend war, nämlich dass er sich in besonderer Weise zu den Kranken gesandt wusste und viele Kranke heilte, das setzt sich nun in der Sendung der Jünger fort. Die Zwölf machten sich auf den Weg und riefen die Menschen zur Umkehr auf. Sie salbten viele Kranke mit Öl und heilten Sie (Mk 6,13). Und heute? Wo lebt diese Sendung zu den Kranken heute in der Kirche fort? 

     Die Sorge für den kranken, leidenden, behinderten und alten Menschen ist jedem Christen als Werk der Barmherzigkeit aufgegeben. Als der Herr vom Weltgericht sprach, sagte er, dass der Richter uns so zur Rechenschaft ziehen wird: Ich war krank und ihr habt mich besucht. Und als die Gerechten sich staunend fragten: Herr, wann warst du krank und wir haben dich besucht? – dann antwortete er ihnen: Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan (vgl. Mt 25,36; 40). 

     Die Kirche hat für den kranken Menschen ein eigenes Sakrament, das Sakrament der Krankensalbung, die Heilige Ölung. Dieses Sakrament gründet sich zum einen auf die Stelle des heutigen Evangeliums, vor allem aber auf ein Wort im Jakobusbrief: Ist einer von euch krank? Dann rufe er die Priester der Gemeinde zu sich; sie sollen Gebete über ihn sprechen und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben. Das gläubige Gebet wird den Kranken retten, und der Herr wird ihn aufrichten; wenn er Sünden begangen hat, werden sie ihm vergeben. Darum bekennt einander eure Sünden, und betet füreinander, damit ihr geheilt werdet (Jak 5,14-16). 

     Auch das Charisma der Krankenheilung; die übernatürliche Heilungsgabe, gab es nicht nur am Anfang, sondern zu allen Zeiten der Kirche, bis zum heutigen Tag. Dafür steht unter anderem der Name Lourdes und die über siebzig dort geschehenen und dokumentierten Heilungen, die wissenschaftlich nicht erklärbar sind. Auch heute dürfen wir auf die heilende Macht Gottes hoffen, die sich immer wieder souverän manifestiert und alle menschlichen Grenzen sprengt. 

      Gott sei Dank haben wir in der Kirche sehr viele heilige Ärzte. Natürlich wurden nicht alle heilig gesprochen. Die bislang jüngste Heiligsprechung, die den Stand der Ärzte betrifft, bezieht sich auf Gianna Beretta Molla im Jahr 2004. Die hl. Gianna Beretta wurde am 4. Oktober 1922 in Magenta (Mailand) als zehntes von dreizehn Kindern geboren. Sie studierte Medizin und erwarb im Jahre 1949 den Doktortitel in Medizin und Chirurgie. 1952 spezialisierte sie sich als Kinderärztin. Gianna Beretta heiratete Ingenieur Pietro Molla und wünschte sich eigene Kinder. Dieser Wunsch wurde ihr erfüllt. Als Mutter von drei Kindern wurde sie erneut schwanger. Kurz darauf entdeckten die Ärzte einen Tumor an der Gebärmutter, der es ihr nicht erlaubt hätte, das Kind auszutragen. Bereit zu jedem Opfer unterzog sie sich im zweiten Monat der Schwangerschaft einem riskanten chirurgischen, operativen Eingriff und bat flehend um die Rettung ihres Kindes. Sie wiederholte: «Ich bin bereit zu allem, wenn nur mein Kind gerettet wird». Am 21. April 1962 kam ihr viertes Kind, ein Mädchen, zur Welt. Eine Woche später, am 28. April 1962 starb die heldenhafte Mutter. Sie war immer der Überzeugung, dass es «eine Sünde ist, im Mutterleib zu töten». Sie nahm ihren Tod bewusst an, um zum Leben ihres Kindes JA zu sagen. Papst Johannes Paul II. sprach sie am 24. April 1994 selig. Bei der Seligsprechung waren ihr Gatte und auch die Tochter, für die sie ihr Leben aufgeopfert hatte, dabei.