14. Sonntag im Jahreskreis (05. Juli 2009)

Mk 6, 1b - 6 

Prophet, Messias, Sohn Gottes 

     In jener Zeit kam Jesus in seine Heimatstadt; seine Jünger begleiteten ihn. Am Sabbat lehrte er in der Synagoge. Und die vielen Menschen, die ihm zuhörten, staunten und sagten: Woher hat er das alles? Was ist das für eine Weisheit, die ihm gegeben ist! Und was sind das für Wunder, die durch ihn geschehen! Ist das nicht der Zimmermann, der Sohn der Maria und der Bruder von Jakobus, Joses, Judas und Simon? Leben nicht seine Schwestern hier unter uns? Und sie nahmen Anstoß an ihm und lehnten ihn ab. Da sagte Jesus zu ihnen: Nirgends hat ein Prophet so wenig Ansehen wie in seiner Heimat, bei seinen Verwandten und in seiner Familie. Und er konnte dort kein Wunder tun; nur einigen Kranken legte er die Hände auf und heilte sie. Und er wunderte sich über ihren Unglauben. Und Jesus zog durch die benachbarten Dörfer und lehrte dort.  

     Die Hauptteile des altsynagogalen Gottesdienstes, zu dessen Abhaltung die Anwesenheit von mindestens 10 Personen nötig war, bestanden zuerst aus der Schma-Rezitation und dem Achtzehngebet samt dem Priestersegen, sodann folgten zwei Perikopen, eine aus der Thora und die andere (die sogenannte Haftara), die aus den prophetischen Büchern entnommen waren. An die Schriftlektionen schloss sich ein Predigtvortrag an. Von diesem Predigtvortrag Jesu schreibt Markus in dem heutigen Evangelium, dass die Zuhörer staunten und sagten: Woher hat er das alles? Was ist das für eine Weisheit, die ihm gegeben ist!. Aus der Parallelstelle von Lukas wissen wir, dass am diesem Samstag die Haftara-Lesung aus dem Buch des Jesaja gelesen wurde (vgl. Lk 4, 18-19; Jes 61, 18-19; 58, 6). 

     In seinem Predigtvortrag hat sich Jesus in seiner Heimatstadt vorgestellt. Er ist ein Prophet und deswegen hat er kein Ansehen in seiner Heimat. An anderer Stelle erklärt er, warum er nach Jerusalem wandern müsse. Heute und morgen und am folgenden Tag muss ich weiterwandern; denn ein Prophet darf nirgendwo anders als in Jerusalem umkommen. (Lk 13,33). Der Evangelist Matthäus erzählt, dass damals, als Jesus am Palmsonntag in Jerusalem einzog, die ganze Stadt in Aufregung geriet, und man fragte: Wer ist das? Die Leute sagten: Das ist der Prophet Jesus von Nazaret in Galiläa (Mt 21, 10-11). Nach der wunderbaren Speisung einer Volksmenge am See von Tiberias sagten die Menschen: Das ist wirklich der Prophet, der in die Welt kommen soll (Joh 6, 12). Die Jünger von Emmaus haben auch so von Ihm gesprochen: Jesus von Nazareth, der ein Prophet war, mächtig in Taten und Worten vor Gott und allem Volk (Lk 24, 19). 

     Aber er ist nicht nur einer der Propheten. Er ist der Messias, der Gesalbte. Auf den Messias richten sich die Erwartungen der Juden. Wenn er kommt, wird er ein Reich des Friedens für das Volk Israel bringen. Die Christen glauben, dass Jesus der Messias ist. Dass Jesus gegenüber der jüdischen Öffentlichkeit mit einem Anspruch aufgetreten ist, geht aus den Berichten der Bibel deutlich hervor. Johannes der Täufer hatte den Juden gesagt: „Ich taufe euch nur mit Wasser. Der aber, der nach mir kommt, ist stärker als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe auszuziehen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen“(Mt 3,11). Lukas berichtet „Das Volk war voll Erwartung und alle überlegten im stillen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Messias sei.“ (3,15) Als Johannes von Herodes ins Gefängnis geworfen worden war, schickt er zwei seiner Jünger zu Jesus, um sich noch einmal zu vergewissern, dass Jesus wirklich der Messias ist. „Als die beiden Männer zu Jesus kamen, sagten sie: Johannes der Täufer hat uns zu dir geschickt und lässt dich fragen: bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten? Damals heilte Jesus viele Menschen von ihren Krankheiten und Leiden, befreite sie von bösen Geistern und schenkte vielen Blinden das Augenlicht. Er antwortete den beiden: Geht und berichtet Johannes, was ihr gesehen habt: Blinde sehen wieder, Lahme gehen, und Aussätzige werden rein; Taube hören, Tote stehen auf, und den Armen wird das Evangelium verkündet. Selig, wer keinen Anstoß nimmt.“ (Lk 7, 20-23) Jesus sagt nicht direkt, dass er der Messias ist, aber er zitiert mit dem Satz „Blinde sehen wieder ...“ den Propheten Jesaja, der besonders auf das Kommen des Messias, des Gesalbten hingewiesen hat. Wenn seine Prophetenworte jetzt eingetreten sind, dann muss Jesus der Messias sein (vgl. Jesus Christus, in: Sacramentum Mundi, Theologisches Lexikon für die Praxis, Bd. 2, 1968, S. 61ff). 

     Letztendlich sollte uns klar sein, dass Jesus nicht nur einer der Propheten ist, er ist nicht nur einfach der Gesalbte, der Messias, sondern Jesus ist der Sohn Gottes. Schon bei der Verheißung der Geburt Jesu hören wir die Worte des Engels: „Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden“ (Lk 1, 32). Als Jesus sich der Taufe unterzieht, berichtet Markus: „Und als er aus dem Wasser steigt, sah er, dass der Himmel sich öffnete und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam. Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen.“ (Mk 1, 10-11). Jesus selbst gibt sich nicht zufrieden, dass einige Menschen ihn als einen Propheten annehmen. Darum fragt er die Jünger: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!“ Unter dem Kreuz, als Jesus seinen Geist aushauchte, sagten der römische Hauptmann und die Männer, die mit ihm zusammen Jesus bewachten: „Wahrhaftig, das war Gottes Sohn!“ (Mt 27, 54). 

      Weshalb ist es für uns so wichtig, dass Jesus ein Prophet, der Messias und Sohn Gottes ist? Weil dann, wenn der Sohn Gottes Mensch wurde, wir Menschen Kinder Gottes sein werden.