Hl. Petrus und Hl. Paulus (29. Juni 2009)

Mt 16,13-19 
 
 

Als Jesus in das Gebiet von Cäsarea Philippi kam, fragte er seine Jünger: Für wen halten die Leute den Menschensohn?  Sie sagten: Die einen für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für Jeremia oder sonst einen Propheten. Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes! Jesus sagte zu ihm: Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein. 
 

     Die Apostelfürsten Petrus und Paulus, deren Namensfest wir heute feiern, werden oft gemeinsam genannt, so als seien sie leibliche Brüder gewesen. Dies war aber keineswegs der

Fall. Ihre Herkunft, ihre Bildung, die Umstände ihrer Berufung sind verschieden.  

     Eigentlich hieß Petrus Simon. Den Namen Petrus erhielt er, wie wir heute gehört haben, in der Nähe von Cäsarea Philippi, als der Herr ihn lobte: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Petrus stammte aus Betsaida am Nordufer des Sees Genezareth. Man sagt gerne, seine Biografie spanne sich vom einfachen Fischer zum Ersten der Apostel. Aber ganz so stimmt die Sache nicht. Wer die Ruinen seines Hauses in Kaparnaum aufsucht und in Ginosar das 2000 Jahre alte, Petrus-Boot genannte Fischerboot besichtigt, dem wird klar, dass Petrus nicht ein einfacher Fischer, sondern ein anerkannter großer Unternehmer war. So ist es verständlich, dass er, bald nachdem Jesus die zwölf Jünger ausgewählt hatte, ihr Wortführer wurde. Er war also gar nicht so ungelehrt und einfach wie seine Gegner ihn beschreiben.

     Der neue Name des Simon bedeutet: der Fels. Freilich ist dieser Beiname keine Charakterisierung Simons. Seine Geschichte hält uns unsere eigene Wankelmütigkeit immer wieder vor Augen: Gibt er sich erst vertrauend dem Herrn hin, so versinkt er, sobald er den Blick auf die Gefahr wendet (vgl. Mt 14, 22-36); bezeugt er todesmutig, Jesus niemals zu verlassen, so versagt er schon in der folgenden Nacht bei der geringsten Herausforderung (vgl. Mt 26, 35.69-75). Bekennt er zunächst, dass Jesus der Christus ist (vgl. Mk 8, 27-30), so folgt sogleich, dass er dem Herrn zur Versuchung, ja, zum Satan wird (vgl. Mk 8, 31-33).

     Das Zeichen des Petrus ist der Schlüssel nach dem Wort Jesu: Ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs geben. (Mt 16, 19) 

      Wie auch Petrus hatte Paulus einen jüdischen Namen, und zwar: Saulus. Er wurde in Tarsus, der hellenistischen Hauptstadt der römischen Provinz Zilizien, geboren. Paulus wurde zum jüdischen Gesetzeslehrer ausgebildet und war stolz auf sein jüdisches Erbe. Sein Leben zeigte eine faszinierende Wandlung, vom eifernden Christenverfolger, der das Gesetz des Moses verteidigte, zum eifrigen Verkündiger des Evangeliums. Er hat das Evangelium in die ganze antike Welt hinausgetragen. Saulus verdankte diese Wandlung einer Vision, deren strahlendes Licht ihn vorübergehend erblinden ließ. Später schrieb er darüber: Gott hat mich seinen Sohn sehen lassen, damit ich ihn überall unter den Völkern bekannt mache. Wenn ein Mensch seine Gesinnung so radikal ändert, wird er vom Saulus zum Paulus. Dieser Spruch zur Kehrtwendung hält sich bis heute.

     Das Zeichen des Paulus ist das Schwert, das nicht nur auf seinen Tod hinweist, sondern auch auf die Kraft des Wortes Gottes, die durch ihn mächtig wurde (Hebr 4, 12). 

     Nach einer zuerst im 1. Clemensbrief mitgeteilten Notiz soll Paulus zusammen mit Petrus unter den Christenverfolgungen des Nero den Märtyrertod erlitten haben. Wir leben leider in nicht besseren Zeiten. Benedikt XVI. sagte am 29. Mai beim Empfang von acht neuen Vatikan-Botschaftern, dass wir heute eine Zeit neuer Christenverfolgungen erleben. Beten wir für die Verfolgten: Du hast den Apostelfürsten Petrus und Paulus die Kraft zum Martyrium gegeben. Sei bei allen, die um ihres Glaubens willen leiden müssen.