Dreifaltigkeitssonntag (07. Juni 2009)

Mt 28, 16-20 

Lehrt sie alles zu bewahren 

Die elf Jünger aber gingen nach Galiläa, an den Berg, wohin Jesus sie bestellt hatte. Und als sie ihn sahen, warfen sie sich vor ihm nieder; einige aber zweifelten. Und Jesus trat zu [ihnen] und redete mit ihnen und sprach: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden. Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern, indem ihr diese tauft auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und sie lehrt alles zu bewahren, was ich euch geboten habe! Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters. 
 

Wie kommt es, dass die Apostel sofort verstanden haben , wovon der Herr sprach, als er ihnen auftrug, alle Nationen zu taufen auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes? Die Taufe war keine unbekannte Sache für die Juden. Denken wir an Johannes den Täufer, an Andreas und Petrus, die in Bethanien getauft wurden, oder an die Taufe Jesu im Jordan. Also war das eigentlich für sie nichts Neues. – Aber was bedeutet taufen auf einen Namen? War das nicht etwas Fremdes für sie? Nein, auch das war ihnen nicht fremd. Im Talmud lesen wir, dass dann, wenn jemand einen Sklaven von einem Nichtjuden gekauft hatte, und dieser ihm zuvorkam und zwecks Freiwerdung untertauchte „auf den Namen des freien Mannes“, so erwarb dieser sich selbst als freien Mann, d. h. von nun an gehörte er zu der Gemeinschaft der Freien (vgl. Jabmuth 45b - Der Babylonische Talmud, Bd. IV. Frankfurt am Main: Jüdische Verlag, 1996, S. 467). – So ist es klar, dass die Jünger sofort verstanden, dass es von jetzt an ihre Aufgabe sei, die Menschen durch die Taufe der Dreifaltigkeit zugehörig zu machen.

Das Beispiel aus dem Talmud hat jeder begriffen, aber viele werden sich beim Gedanken an Sklaven an andere Geschichten aus weitentfernten, exotischen Ländern erinnern. Ja, damals vor 2000 Jahren ging es denen sehr schlecht. Ein Wissenschaftler schrieb im Jahr 1999: „Obwohl in allen Ländern Sklaverei verboten ist, kommt mit der Globalisierung eine neue Form der Sklaverei auf (University of California Press, am 9. September 1999). Im Jahr 2003 wusste man von 27 Millionen Sklaven in der Welt. Der amerikanische Journalist E. Benjamin Skinner schreibt, dass man in Haiti schon um 50 $ ein Sklavenmädchen kaufen und um ungefähr 400 $ einen Sklaven freikaufen könne. Vorsicht! Es ist nicht vom Zeitraum des ersten Jahrhunderts die Rede, sondern vom 21. Jahrhundert.

Sind Sklaven auch unter uns? Leider schon. Es gibt nicht nur physische Sklaverei. Es gibt auch seelische Sklaven. Die verschiedenste Lügen in den Schulen, aus der Presse und vom Fernsehen schlucken müssen oder freiwillig um ein paar Cent annehmen, die werden seelische und moralische Sklaven, die aus der Gesellschaft der Kirche austreten, ohne davon überzeugt zu sein, dass sie das Richtige täten. Nein, sie tun es nur, um sich ein paar Heller zu sparen.

Wie könnte man diese befreien? Vielleicht so, dass wir ihnen verkünden, sie belehren, alles zu bewahren, was Jesus uns geboten hatte. Wenn alle Menschen die Lehre des Herrn annehmen werden, getauft im Namen des Vaters des Sohnes und des Heiligen Geistes, dann werden die Menschen frei sein, es werden keine Sklavenhalter mehr sein, folglich auch keine Sklaven.

Das ist aber eine so traurige Sache … Wäre es nicht besser zu schweigen?  Nein. Das darf man nicht. Der Herr gab den Jüngern den Befehl: lehrt die Nationen alles zu bewahren, - nicht nur einige Sachen, die ihnen fehlen. Ein ungarischer Schriftsteller schrieb in einem seiner Gedichte: „Unter Sündern ist Komplize wer schweigt.“ (Buch des Jona)