Pfingsten (31. Mai 2009)

Joh 20, 19-23 
 

Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert. 
 

     Eine Mitzwa ist ein Gebot im Judentum, welches entweder in der Torah genannt wird oder von den Rabbinern festgelegt wurde. Ein solches Gebot lesen wir in dem Buch Exodus: Dreimal im Jahr sollen alle deine Männer vor dem Herrn, dem Gott Israels, erscheinen (Ex 34, 32). Diese besondere Gruppe unter den jüdischen Feiertagen sind die drei Wallfahrts-Feste: Pessach, Wochenfest, Laubhüttenfest. Das Wallfahrtsfest erklärt uns, weshalb Lukas in der Apostelgeschichte schreiben kann, dass am Wochenfest - im christlichem Sinn also zu Pfingsten - „in Jerusalem … Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel wohnten (ApG 2, 5).  

     Wochenfest (Schawuot) findet sieben Wochen nach Pessach statt. Ursprünglich war auch das Wochenfest ein Erntefest, an dem man die Weizenernte feierte. Später entwickelte es sich zum Fest des Gesetzes mit historischen Erinnerungen. Heute feiert man den Moment, als Israel am Berg Sinai die Torah empfing und das jüdische Volk Gott seine Treue versprach. Das Pessach wurde nach dem jüdischen Kalendarium immer am 14. Nissan gefeiert. Das ist nicht immer derselbe Wochentag und deshalb wurde das Wochenfest auch nicht am selben Tag gefeiert. Wir Christen feiern Ostern immer am Sonntag und so wird auch Pfingsten immer am Sonntag gefeiert.  

Was feiern die Juden am Wochenfest? 

     Die jüdische Liturgie feiert, dass Gott das Alte Bundesvolk Israel als seine von ihm geliebte Braut bezeichnete. Durch den Propheten Hosea erklärte Gott: Ich schließe die Ehe mit Dir für alle Zeiten, und mein Brautgeschenk für dich sind meine Hilfe und mein Schutz, meine Liebe, mein Erbarmen und meine unwandelbare Treue. Du wirst erkennen, wer ich bin, der Herr. (Hos.2,21.22). Man könnte so sagen: am Wochenfest feiert das Alte Bundesvolk den Hochzeits-Jahrestag mit Gott. 

Was feiern die Christen zu  Pfingsten? 

     Es ist  vorerst ein großer Irrtum von den Juden und auch von den Christen, wenn sie meinen sich von einander zu unterscheiden. Der Apostel Paulus, der ein Hebräer, ein Israelit, ein Nachkomme Abrahams war (vgl. 2Kor 11,19), schreibt an die Galatea: „Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid «einer» in Christus Jesus“. (Gal 3,28). Wenn es so ist, dann ist es klar, dass auch wir zu  Pfingsten eine Hochzeit feiern. Paulus schrieb an die Gläubigen in Korinth: „Wie eine Braut sollt ihr nur einem einzigen Mann gehören. Denn ich habe euch mit Christus verlobt, dem ich euch wie ein Brautvater zuführen möchte. (2Kor 11,2) (Vgl. Helmut Mayer: Sind die Juden noch Gottes Volk?)  

Schön! Aber was hat das mit dem  Heiligen Geist zu tun?  

      Das Fundament der Ehe ist die Liebe. Es gibt verschiedene Sinnbilder für den Heiligen Geist, eines für ihn ist das Feuer. Oft beten wir zum Heiligen Geist: „Entzünde in uns das Feuer deiner Liebe.“ Das Feuer der Liebe und das Feuer der Begeisterung sollen brennen im Herzen eines jeden Christen. Und wenn die Liebe in uns entflammt, dann wird der große Hochzeitstag des Lammes gekommen sein und – schreibt der Apostel Johannes in der Offenbarung - Glücklich darf sich nennen, wer zum Hochzeitsfest des Lammes eingeladen ist! Also sollen zuvor wir alle - alle, die wir hier im Gotteshaus versammelt sind - wie einst die Apostel in Jerusalem - zu Gott beten, dass er das Feuer der Liebe, das Feuer des Geistes in uns entzünde.