7. Sonntag der Osterzeit (24 Mai 2009)

Joh 17, 6a. 11b-19 

Dienen und beten 

In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und betete: Vater, ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir. Solange ich bei ihnen war, bewahrte ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast. Und ich habe sie behütet, und keiner von ihnen ging verloren, außer dem Sohn des Verderbens, damit sich die Schrift erfüllt. Aber jetzt gehe ich zu dir. Doch dies rede ich noch in der Welt, damit sie meine Freude in Fülle in sich haben. Ich habe ihnen dein Wort gegeben, und die Welt hat sie gehasst, wie sie nicht von der Welt sind, wie auch ich nicht von der Welt bin. Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst. Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin. Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit. Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt. Und ich heilige mich für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind. 
 

     Man sollte am Sonntag in der Messe keine Witze erzählen, doch heute muss ich mit einem, ich denke sehr bekannten Witz anfangen. Der alte Jude lag auf dem Sterbebett. Er rief seinen Sohn und bat ihn, den Pfarrer zu hohlen. Als der Priester ankam, sagte ihm der Sterbende: „Hochwürden, sie sollen mich taufen“. Der Pfarrer war froh, weil sich der alte Jude endlich bekehren wollte. Er taufte ihn. Als der Pfarrer weg war, erklärte er seinem Sohn stocknüchtern: „Es ist doch besser, wenn einer von den Christen stirbt als einer von uns“. 

     Aber mal im Ernst: Was würden wir tun, wenn wir nur noch einige Stunden oder Tage zu leben hätten? Was würde wichtig und was unwichtig sein? Möchten wir rasch noch die Wohnung aufräumen, dass die Trauergäste nicht einen „Schweinestall“ vorfinden? Ein Testament schreiben, dass die in Tränen schwimmenden Verwandten sich nicht in den Haaren liegen? Irgendwo rasch einen Arzt auftreiben, der vielleicht doch helfen kann? Was man so alles machen möchte, wenn das Leben zu Ende zu gehen droht! 

     Jesus wusste, dass seine letzte Stunde auf Erden bald schlagen würde. Die berühmte „Stunde“, von der er schon in Kana gesprochen hat, war da. Was hat Er gemacht? Er hatte uns ein Beispiel hinterlassen. Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe (Joh 13, 15). Kann sein, dass jemand jetzt sagt: Na ja, für ihn war’s leicht, sich so zu benehmen! Er war ja Gottes Sohn! Erstens war es auch Ihm nicht leicht, was auch sein Gebet in Getsemani uns bestätigt: Mein Vater, wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an mir vorüber. Zweitens sind wir ebenfalls Kinder Gottes. Das bestätigt der Hl. Johannes, wenn er in seinem ersten Brief schreibt: Wir heißen Kinder Gottes und wir sind es. (1Joh 3, 1). Es ist ja heute Sitte, das oft zu zitieren, wenn man über unsere Rechte reden will und betont „Wir sind Kirche!“. Anderseits sind wir sofort „nur gewöhnliche, arme, sterbliche Menschen“, wenn von unseren Pflichten und unserem Versagen die Rede ist. 

      In den letzten Stunden hat Jesus seinen Jüngern demonstrativ die Füße gewaschen. Zur Zeit Jesu war dieser Dienst die Aufgabe der Sklaven. Wahrscheinlich haben das darum auch die Apostel nicht begriffen; Petrus hat sich gewehrt: Du, Herr, willst mir die Füße waschen? Niemals sollst du mir die Füße waschen! Jesus musste es ihnen erklären: Begreift ihr, was ich an euch getan habe? Er hat keine Antwort erwartet. Er selbst gibt die Antwort: Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe. 

      Noch etwas in der letzten Stunden. Jesus erhob seine Augen zum Himmel und betete. Außer dem, dass er ihnen gedient hat - denn der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele (Mt. 20,28) - hat er noch für die Jünger und für alle Glaubenden gebetet. Für sie bitte ich; nicht für die Welt bitte ich, sondern für alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören dir. 

      Man sollte sich die letzten Stunden vorstellen und sich fragen: Was werde ich dann machen? Jesus hat mir ein Beispiel gegeben. Herr, hilf mir, dass ich deinem Beispiel folgen kann und bis zu der letzten Stunde Dir dienen und zu Dir beten kann.