Fest Christi Himmelfahrt (21. Mai 2009)

Mk 16, 15 - 20 

Er ist nicht weg 

Dann sagte er zu ihnen: Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen! Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden. Und durch die, die zum Glauben gekommen sind, werden folgende Zeichen geschehen: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden; wenn sie Schlangen anfassen oder tödliches Gift trinken, wird es ihnen nicht schaden; und die Kranken, denen sie die Hände auflegen, werden gesund werden. Nachdem Jesus, der Herr, dies zu ihnen gesagt hatte, wurde er in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes. Sie aber zogen aus und predigten überall. Der Herr stand ihnen bei und bekräftigte die Verkündigung durch die Zeichen, die er geschehen ließ. 
 

     Ein Kollege erzählte, dass er vor Jahren einmal am Fest Christi Himmelfahrt nachmittags bei einer Familie zum Kaffee eingeladen war. Als sie da so beim Kaffeetisch saßen, lief im Hintergrund das Fernsehen. Es wurde eine Vesperandacht übertragen aus einer bayerischen Barockkirche. Der kleine Junge der Familie, der mit ihnen am Tisch saß bei Kaffee und Kuchen, schaute mit einem Auge auch immer auf das Fernsehgerät, auf die Andacht, die da übertragen wurde.  

     Der Kirchenchor sang das alte Kirchenlied aus dem 16. Jahrhundert, das wir heute ebenfalls als Eröffnungslied gesungen haben: „Christ fuhr gen Himmel, wen sandt er uns hernieder“ (GL 228). Und dann wurde die Himmelfahrt Jesu auch ganz plastisch dargestellt. Man hatte vorne im Chorraum eine große Jesusfigur aufgestellt; und die wurde dann, während der Chor das Lied sang „Christ fuhr gen Himmel“, mit einem Nylonfaden ganz langsam hochgezogen. Und als der Chor das Lied zu Ende gesungen hatte, verschwand die Jesusfigur oben in einer Dachluke. Der kleine Junge schaute ganz entgeistert hin. Und als Jesus durch die Luke verschwand, da sagte er ganz traurig: „Jetzt ist er weg!“  

     Wir machten vor einigen Wochen eine Pilgerfahrt ins Heilige Land. Wir gingen hinauf auf den Ölberg. Hier befand sich zur Zeit der Kreuzfahrer ein Heiligtum der Himmelfahrt Jesu. Heute ist dort eine Moschee. Die Muslims glauben an die Himmelfahrt Christi. Bereits vom Jahr 400 an zeigt man hier die Fußabdrücke Jesu, die er bei seiner Himmelfahrt hinterlassen haben soll. An der Echtheit der Fußabdrücke kann man natürlich zweifeln. Aber der Fußabdruck bedeutet, dass er nicht „weg ist“, sondern - wie Er es versprochen hat - „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt 28, 20). Um das zu erleben, muss man aber nicht unbedingt auf den Ölberg hinaufklettern! Wir sollten uns umschauen in unserer Umgebung und wir werden seine Fußabdrücke auffinden und in den Mitmenschen das Abbild Gottes entdecken. Wie geschieht das? Ein Kollege erzählte mir, dass um Mitternacht das Telefon klingelte. Er wurde munter und wollte eben schimpfen, als ihm in den Sinn kam: Aber nein! Das ist ja ein Anruf Gottes. Und er hob ab. Man hatte ihn zu einem Sterbenden gerufen. Er ist ja hier geblieben unter uns in den Sterbenden, in Kranken, ganz einfach: in den Mitmenschen.