1. Fastensonntag (01. März 2009)

Mk 1, 12 - 15 

Das Almosen 

Danach trieb der Geist Jesus in die Wüste. Dort blieb Jesus vierzig Tage lang und wurde vom Satan in Versuchung geführt. Er lebte bei den wilden Tieren, und die Engel dienten ihm. Nachdem man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, ging Jesus wieder nach Galiläa; er verkündete das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium! 
 

Die österliche Bußzeit dient der Vorbereitung auf die Feier des Todes und der Auferstehung Christi. Wie sollte man die Buße üben? Der Herr sagt: drei Sachen sind wichtig, das Almosen, das Gebet und das Fasten. Als er aber vom Almosengeben spricht, warnt er uns vor Falschheit: Wenn du Almosen gibst, lass es also nicht vor dir herposaunen, wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Gassen tun, um von den Leuten gelobt zu werden. Wenn wir das richtig verstehen wollen, dann müssen wir uns in das zeitgenössische gesellschaftliche Leben des Evangeliums einleben. 

Zur Zeit Jesu war die kommunale Armenpflege üblich. Die Kosten der kommunalen Armenpflege wurden durch eine Steuer besichert, die von den einzelnen Gemeindemitgliedern - je nach ihrer Leistungsfähigkeit - eingezogen wurde. Wenn es auch nicht hundertprozentig stimmt, so könnte man doch eine Parallele ziehen zu unserer heutigen Sozialversicherung. Zu dieser offiziellen Steuer kamen freiwillige Spenden hinzu, wie das auch heute üblich ist im Wege der verschiedenen Caritassammlungen. Die wurden in der Öffentlichkeit bekanntgemacht. 

Es lag der menschlichen Eitelkeit nahe, hohe Summen zu versprechen, dass man den Ruhm habe, als Wohltäter der Armen gefeiert zu werden, um von den Leuten gelobt zu werden. Nur eben kam es oft vor, dass diejenigen, die zu geben versprochen hatten, hinterher ihr Versprechen nicht hielten. Das ist auch heute so. Berühmte Menschen werden im Fernsehen, Radio oder eben in Zeitungen lobgepriesen, welch große Hilfe sie den Armen, den Arbeitslosen, den Großfamilien versprochen hätten. Wenn sie aber später zur Kasse gebeten werden, dann finden sie tausend Ausreden, weshalb sie ihr Wort nicht halten könnten.  

Der Herr ist also nicht dagegen, dass jemand mit seiner Wohltätigkeit ein gutes Beispiel gibt, sondern dagegen, dass jemand eine Tugend missbraucht. Man soll aber gut nachschauen, wo und wie man Wohltätigkeit ausübt, da leider nicht nur von Seiten der Wohltäter sonder oft auch seitens der Empfänger falsch gespielt wird.