Taufe des Herrn (11. Jänner 2009)

Mk 1, 7-11 

Er verkündete: Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich; ich bin es nicht wert, mich zu bücken, um ihm die Schuhe aufzuschnüren. Ich habe euch nur mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen. In jenen Tagen kam Jesus aus Nazaret in Galiläa und ließ sich von Johannes im Jordan taufen. Und als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass der Himmel sich öffnete und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam. Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden. 

Der Evangelist Markus schreibt nur, dass Johannes im Fluss Jordan taufte. Der Apostel Johannes sagt es genauer. Er schreibt, dass die Taufe des Herrn: „geschah in Betanien, auf der anderen Seite des Jordan“ (Joh 1, 28). Es ist wichtig, dass der Ort sich „auf der anderen Seite des Jordan“ befindet, da auch bei Jerusalem, auf dem Ölberg, ein Ort existiert, der Betanien heißt. In diesem Betanien lebten Lazarus und seine Schwestern.  

Die Lage des Ortes, wo Jesus die Taufe empfing, war lange Zeit ungewiss. Vor fast drei Jahren wurde etwa 1500 Meter östlich des heutigen Flusslaufes des Jordan, zirka 15 Kilometer nordöstlich der Jordan-Mündung am Toten Meer Betanien, auf der anderen Seite des Jordan entdeckt und seitdem nach international gültigen Standards ausgegraben. Es wurden bisher Überreste mehrerer byzantinischer Kirchen und Klöster mit schönen Mosaiken sowie große Taufbecken entdeckt. 

Die Taufe, das Untertauchen des ganzen Körpers, war bei den Juden vom Gesetz vorgeschrieben, falls ein Israelit unrein geworden war (vgl. Lv 14,1 ff.; Lv 15,1 ff. usw.). Durch das Tauchbad sollte die levitische Reinheit wiedergewonnen werden, ohne die eine Teilnahme an den kultischen Einrichtungen ausgeschlossen war.

In bestimmten Fällen muss man nach den muslimischen Vorschriften ebenfalls die Ganzkörperwäsche (Gusl) vornehmen, um die volle rituelle Reinheit wiederherzustellen. Ohne diese Ganzkörperwäsche ist das Gebet ungültig – lehrt die islamische Theologie (vgl. Fadlallah Ksiks: Wie man das Gebet verrichtet. Düsseldorf, IB, 2008, 25.). 

Bei uns Christen gibt es auch die Taufe. Der Herr selbst sagt: „Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen“ (Joh 3, 5) und darum sandte er seine Apostel aus mit den Worten: „geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (Mt 28, 19). Diese Taufe befreit von allen Sünden des Menschen und gleichzeitig wird er Teil des Leibes Christi. Jemand kann von Zuhause fliehen, trotzdem bleibt er Mitglied der Familie. So ist es verständlich, dass die Taufe einmalig und unwiederholbar ist. 

Was aber, wenn jemand durch die Sünde aus dem Vaterhaus geflohen ist, wie der verlorene Sohn (vgl. Lk 15, 11-32). In gewissem Sinn gibt es die Möglichkeit der „Wiedertaufe“. Diese „Wiedertaufe“ nannte die Urkirche „das Sakrament der Taufe mit Tränen“ oder wie wir es heute nennen, „das Bußsakrament“ mit anderen Worten: „die Beichte“.  

Nun, die Taufe im Judentum und die Ganzkörperwäsche im Islam macht den Menschen für den Gottesdienst geeignet. Unsere Taufe aus Wasser und Geist und die Taufe mit Tränen  führt uns in das Vaterhaus, wo der Vater uns entgegenkommt und uns aufnimmt.