Weihnachten (25. Dezember 2008)

Lk 2, 8-20 

In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde. Da trat der Engel des Herrn zu ihnen und der Glanz des Herrn umstrahlte sie. Sie fürchteten sich sehr, der Engel aber sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr. Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt. Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach: Verherrlicht ist Gott in der Höhe und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade. Als die Engel sie verlassen hatten und in den Himmel zurückgekehrt waren, sagten die Hirten zueinander: Kommt, wir gehen nach Betlehem, um das Ereignis zu sehen, das uns der Herr verkünden ließ. So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag. Als sie es sahen, erzählten sie, was ihnen über dieses Kind gesagt worden war. Und alle, die es hörten, staunten über die Worte der Hirten. Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach. Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für das, was sie gehört und gesehen hatten; denn alles war so gewesen, wie es ihnen gesagt worden war. 

Man hört häufig, dass es ganz viele Wege zu Gott gibt, dass man ihn überall finden kann, dass alle Wege zum Ziel führen. Da sagt die Bibel etwas anderes. Und wir Christen glauben es. Nämlich: nur Jesus ist der Weg zu Gott. Es gibt keinen anderen Weg. Nur Jesus ist der Weg zu Gott, aber anderseits ist es auch wahr, dass es zu Jesus ganz, ganz viele Wege gibt.  

Gott selbst benützt verschiedene Wege, um den Menschen zu Jesus zu führen. In der Geschichte der Geburt des Erlösers sind es die himmlischen Boten, nämlich die Engel, Träume, wie der Traum des Josef, und die Zeichen.

Wir wissen, dass Josef in seiner Unsicherheit im Traum eine Anweisung bekam: „Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist“ (Mt 1, 20).

Heute in der Nacht hörten wir die Engel, wie sie die gute Nachricht den Hirten kundgetan haben: „Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr.“ (Lk 2, 11).

Die Engeln selbst sprechen von einem Zeichen: „Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt“ (Lk 2,12). 

Gott benutzt auch heute ganz verschiedene Wege, die Menschen zum Erlöser zu führen. Viele schimpfen wegen der Christkindlmärkte, wegen der Weihnachtsbeleuchtung und großen Lichterbäumen oder eben, dass ja gerade zu Weihnachten viele in die Kirche kommen. Kann sein, dass für den, der einen Stand am Christkindlmarkt hat, die ganze Sache nur eine Geschäftsfrage ist; kann sein, dass ein großer Teil der Waren kitschig sind; kann sein, dass die Lichterbäume nur für Reklame aufgestellt sind; aber die Lichtketten erinnern an den Glanz, der den Engel des Herrn umstrahlte und die kitschigen Krippen an die einfache Krippe in Betlehem. Sind zu Weihnachten mehr in die Kirche gekommen? Gott sei Dank! Als ich Kind war, hat uns der Pfarrer erklärt: Das Wichtige ist nicht, wie und warum die Menschen hierher gekommen sind. Das Wichtige ist, wie sie von hier weggehen. 

Was wollte er damit sagen, dass das Wichtige ist, wie wir von hier weggehen? Schaut die Hirten! „Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für das, was sie gehört und gesehen hatten“ (Lk 2, 20a). Und wenn niemand ist, dem wir erzählen können, was wir heute in der Kirche miterlebt haben, dann befolgen wir Marias Beispiel, die „bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach“.