2. Adventsonntag (07. Dezember 2008)

Mk 1, 1-8 

Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes: Es begann, wie es beim Propheten Jesaja steht: Ich sende meinen Boten vor dir her; er soll den Weg für dich bahnen. Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen! So trat Johannes der Täufer in der Wüste auf und verkündete Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden. Ganz Judäa und alle Einwohner Jerusalems zogen zu ihm hinaus; sie bekannten ihre Sünden und ließen sich im Jordan von ihm taufen. Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften, und er lebte von Heuschrecken und wildem Honig. Er verkündete: Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich; ich bin es nicht wert, mich zu bücken, um ihm die Schuhe aufzuschnüren. Ich habe euch nur mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen. 
 

     Der von niederländischen Theologen konzipierte Katechismus, der auf Deutsch 1968 mit dem Titel Glaubensverkündigung für Erwachsene erschien, wollte von einer Analyse der Situation des Menschen ausgehend den überlieferten Glauben in neuer Sprache zum Ausdruck bringen. Einfach gesagt, der holländische Katechismus beginnt eine Theologie von unten. Der Mensch sucht den verborgenen Gott (Jes 45,15). Oder mit anderen Worten: der Mensch sucht einen Weg zu Gott. 

     Das ist aber das genaue Gegenteil von den Texten, die im Mittelpunkt des heutigen Sonntages stehen. Die Sache ist nämlich umgekehrt. In Wahrheit versteckte sich der Mensch vor Gott. Der Schöpfer musste - und muss auch heute noch - ihn suchen. Im alten Testament lesen wir: Gott, der Herr rief Adam zu und sprach: Wo bist du? (Gen 3, 9). Er hat den Menschen nicht einfach nur gerufen, sondern, wie der Katechismus der Katholischen Kirche uns mitteilt, ihn auch aufgesucht. „Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott Vater seinen Sohn als Erlöser und Retter der Menschen, die in Sünde gefallen waren.“ (Kompendium 1). Also ist das Christentum in Wirklichkeit eine Theologie von oben. Im Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel bekennen wir ja: „Für uns Menschen und zu unserm Heil ist er vom Himmel gekommen.“ Das hat auch ein Konsequenz, was Johannes der Täufer im heutigen Evangelium so ausdrückt: Bereitet dem Herrn den Weg! Bereitet den Weg des Herrn. Einen Weg, auf dem er zu uns kommt.  

      Warum haben sich Adam und Eva versteckt? Das weiß ja jedes Kind. Sie haben von dem Baum gegessen, von dem zu essen der Herr ihnen verboten hat. Ist das ein Märchen? Keineswegs! Es ist ein Lehrgedicht, eine Lehrrede, die uns ins Herzen schreiben will: Wir gehören dem Herrn. Er hat uns geschaffen. Er gibt uns Lebensregeln, die wir einhalten sollten. Wenn wir uns gegen die Gebote des Herrn auflehnen, so nennt man das Sünde. Die Sünde hat traurige Konsequenzen. Gott liebt uns aber unendlich. Er versprach: Er sendet den Nachwuchs der Frau, der uns erlöst. Wir sollen aber seinen Weg bereiten, d.h. wir sollen umkehren und in der Taufe der Tränen, wie die Urchristen das Bußsakrament bezeichneten, auf die Ankunft des Herrn warten.