1. Adventsonntag (30. November 2008)

Mk 13, 24-37 

Aber in jenen Tagen, nach der großen Not, wird sich die Sonne verfinstern, und der Mond wird nicht mehr scheinen; die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden. Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken kommen sehen. Und er wird die Engel aussenden und die von ihm Auserwählten aus allen vier Windrichtungen zusammenführen, vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels. Lernt etwas aus dem Vergleich mit dem Feigenbaum! Sobald seine Zweige saftig werden und Blätter treiben, wisst ihr, dass der Sommer nahe ist. Genauso sollt ihr erkennen, wenn ihr (all) das geschehen seht, dass das Ende vor der Tür steht. Amen, ich sage euch: Diese Generation wird nicht vergehen, bis das alles eintrifft. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen. Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater. Seht euch also vor, und bleibt wach! Denn ihr wisst nicht, wann die Zeit da ist. Es ist wie mit einem Mann, der sein Haus verließ, um auf Reisen zu gehen: Er übertrug alle Verantwortung seinen Dienern, jedem eine bestimmte Aufgabe; dem Türhüter befahl er, wachsam zu sein. Seid also wachsam! Denn ihr wisst nicht, wann der Hausherr kommt, ob am Abend oder um Mitternacht, ob beim Hahnenschrei oder erst am Morgen. Er soll euch, wenn er plötzlich kommt, nicht schlafend antreffen. Was ich aber euch sage, das sage ich allen: Seid wachsam! 
 

Jeder kennt das Märchen von Antoine de Saint-Exupéry: Der kleine Prinz. In einem Dialog zwischen dem Fuchs und dem kleinen Prinz hören wir, dass der Fuchs sich beschwert, dass der kleine Prinz nicht zur selben Stunde wiederkam. Er erklärt es: „Wenn du zum Beispiel um vier Uhr nachmittags kommst, kann ich um drei Uhr anfangen, glücklich zu sein. Je mehr die Zeit vergeht, umso glücklicher werde ich mich fühlen. Um vier Uhr werde ich mich schon aufregen und beunruhigen; ich werde erfahren, wie teuer das Glück ist ... Es muss feste Bräuche geben.“ Nun, einfach könnten wir sagen, Advent ist die Wartezeit zwischen drei Uhr und vier Uhr. Advent ist ein Zeitpunkt der Vorbereitung mit festen Bräuchen der Kirche auf die Ankunft des Erlösers. 

Unter den schönen Bräuchen finden wir den Adventkranz. Was symbolisiert der Adventkranz? Eigentlich ist der Brauch noch nicht so alt. Der erste Kranz mit 4 Kerzen tauchte erstmals 1925 in Köln in einer katholischen Kirche auf. Um 1935 wurden dann die ersten häuslichen Adventkränze auch kirchlich geweiht, so wie es heute noch Brauch ist.  

Der Ursprung des Advents wurde in Rom von Papst Gregor dem Großen mit der vierwöchigen Adventsliturgie erst im 6. Jahrhundert in ihren Grundzügen festgelegt. Die 4 Wochen sollen symbolisch auf die 4000 Jahre hinweisen, die die Menschheit nach kirchlicher Rechnung auf die Ankunft des Erlösers warten musste. Nach kirchlicher Rechnung verstehen wir darunter das Zeitalter im Alten Testament von der Erschaffung der Welt bis zur Geburt Christi. 

Aus der Antike her ist die Kerze das Symbol für das Licht. Der Evangelist Johannes verwendet für Jesus den Titel „Licht“: Es ist ein Titel, der zu Gott gehört. Im Glaubensbekenntnis bekennen wir in der Tat, dass Jesus Christus „Gott von Gott, Licht vom Licht“ ist. 

Drei Kerzen sind violett und erinnern uns, dass der Advent eine Bußzeit ist. Gott will die Menschheit retten. Und er tut dies, indem er den Menschen entgegengeht, „um zu suchen und zu retten, was verloren ist“ (Lk 19,10). Die dritte Kerze ist rosa, es ist der Ruf mitten in der Nacht: „Der Bräutigam kommt! Geht ihm entgegen!“ (Mt 25, 6). 

Und was symbolisiert der Kranz? Jede Kultur kennt Kränze mit verschiedensten Bedeutungen. So gab man bereits im alten Ägypten den Toten Kränze mit in den Sarg. Das bezeichnete die Verbundenheit mit dem Toten. Das Christentum übernahm den Kranz von den Griechen, wo Kränze als Schmuck bei Festen getragen wurden. Der Lorbeerkranz war eindeutig ein Siegeszeichen. Der Adventkranz ist auch ein Siegeszeichen. Der Herr selbst sagt: „In der Welt seid ihr in Bedrängnis; aber habt Mut: Ich habe die Welt besiegt.“ (Jn 16, 33).