3. Adventsonntag

Wien, am 16. Dezember 2007

3. Adventsonntag (Gaudete)

Mt 11, 2-11

Johannes hörte im Gefängnis von den Taten Christi. Da schickte er seine Jünger zu ihm und ließ ihn fragen: Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen andern warten? Jesus antwortete ihnen: Geht und berichtet Johannes, was ihr hört und seht: „Blinde sehen wieder und Lahme gehen; Aussätzige werden rein und Taube hören; Tote stehen auf und den Armen wird das Evangelium verkündet.“ Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt. Als sie gegangen waren, begann Jesus zu der Menge über Johannes zu reden; er sagte: „Was habt ihr denn sehen wollen, als ihr in die Wüste hinausgegangen seid? Ein Schilfrohr, das im Wind schwankt? Oder was habt ihr sehen wollen, als ihr hinausgegangen seid? Einen Mann in feiner Kleidung? Leute, die fein gekleidet sind, findet man in den Palästen der Könige. Oder wozu seid ihr hinausgegangen? Um einen Propheten zu sehen? Ja, ich sage euch: Ihr habt sogar mehr gesehen als einen Propheten. Er ist der, von dem es in der Schrift heißt: Ich sende meinen Boten vor dir her; er soll den Weg für dich bahnen. Amen, das sage ich euch: Unter allen Menschen hat es keinen größeren gegeben als Johannes den Täufer; doch der Kleinste im Himmelreich ist größer als er.“

Johannes taufte in Betanien, jenseits des Jordan. Ohne Übertreibung können wir sagen, dass eine große Menschenmenge zu ihm strömte, um ihn zu hören. So ist es ganz verständlich, dass die jüdische Behörde aus Jerusalem Priester und Leviten zu ihm sandte mit der Frage: „Wer bist du?“ Er bekannte und leugnete nicht, er sagte: Ich bin nicht der Messias. Der, nach dem sie sich erkundigten, der komme nach ihm, er sei größer als Johannes, er werde mit dem Heiligen Geist taufen. Johannes selbst hat ebenfalls nicht genau gewusst, von wem die Rede war. Zweimal sagt er: „Auch ich kannte ihn nicht, … auch ich kannte ihn nicht; aber ich bin gekommen und taufe mit Wasser, um Israel mit ihm bekannt zu machen“ (vgl. Joh 1, 19-34).

Nach seiner Taufe ging Jesus nach Judäa, dort hielt er sich auf und taufte. Die Jünger des Johannes beschwerten sich bei Johannes: „Rabbi, der Mann, der auf der anderen Seite des Jordan bei dir war …, der tauft jetzt, und alle laufen zu ihm“ (Joh 3,26).

Später ließ Herodes den Johannes in Ketten legen (vgl. Joh 3,25). Nach Flavius Josephus wurde er nach der Festung Machaerus, auf die östliche Seite des Toten Meeres gebracht (vgl. Jüdische Altertümer XVIII 5,2). Von dort sandte er seine Getreuen zu Jesus mit der Frage: „Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen andern warten?“ d.h. Bist du der, mit dem ich Israel bekannt machen sollte? Anders als Johannes, der klarstellte, dass er nicht der Messias sei, verschlüsselt Jesus seine Antwort: „Geht und berichtet Johannes, was ihr hört und seht: Blinde sehen wieder und Lahme gehen; Aussätzige werden rein und Taube hören; Tote stehen auf und den Armen wird das Evangelium verkündet.“ Jeder, der sich ein bisschen in der Bibel auskennt, kann die Worte dekodieren. Mit diesen Worten hat der Prophet Jesaja die messianischen Zeiten beschrieben (vgl. Jes 26,19; 29,18; 35,5f; 61,1), d.h.: es ist der gekommen, der die Welt von den Folgen der Sünden heilen wird.

Das ist wirklich eine fröhliche Botschaft. Das spiegelt heute auch die Liturgie wider. Die Kirchenfarbe ist statt violett rosa. Rosa ist die Milderung des Violett, steht also in der Mitte zwischen der Farbe der Buße und der Freude. Der Altar darf heute mit Blumen geschmückt werden. Die Orgel darf erklingen. Die liturgischen Texte sind voll Freude. Als Eröffnungsvers der Messe stehen die Worte des Paulus an die Philipper: „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch! Eure Güte werde allen Menschen bekannt. Der Herr ist nahe.“ (Phil 4, 4-5). Die Liturgie des 16. Dezember ist wie ein kleines Kind. Sie rechnet nach, wie oft wir noch schlafen gehen müssen, bis die Heilige Nacht da ist.